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Wie Gaddafi seine Gegner verunsichert

Wie Gaddafi seine Gegner verunsichert

Tripolis/Kairo. Die offizielle Reaktion des libyschen Regimes auf den Flugverbotsbeschluss des Weltsicherheitsrates fiel verblüffend aus. "Als UN-Mitglied müssen wir die Resolutionen des Sicherheitsrates respektieren", erklärte Libyens Außenminister Mussa Kussa am Freitag vor der Presse in Tripolis. "Wir werden alles unternehmen, um die Zivilbevölkerung zu schützen

Tripolis/Kairo. Die offizielle Reaktion des libyschen Regimes auf den Flugverbotsbeschluss des Weltsicherheitsrates fiel verblüffend aus. "Als UN-Mitglied müssen wir die Resolutionen des Sicherheitsrates respektieren", erklärte Libyens Außenminister Mussa Kussa am Freitag vor der Presse in Tripolis. "Wir werden alles unternehmen, um die Zivilbevölkerung zu schützen." Alle Kampfhandlungen der Regierungstruppen würden sofort eingestellt. Lediglich, dass über Libyen niemand mehr fliegen darf, sei "traurig", fügte er hinzu.Hat Oberst Gaddafi, seit 42 Jahren unumschränkter Herr über Libyen, angesichts der geballten Militärmacht einer sich abzeichnenden Eingreif-Koalition aus Briten, Franzosen und Amerikanern plötzlich Kreide gefressen? Es sieht nicht so aus. Gestern abend meldete der Nachrichtensender Al Dschasira unter Berufung auf die Führung der Aufständischen, Gadaffis Truppen seien bis auf 50 Kilometer an Bengasi herangerückt. Es sei auch zu Gefechten zwischen den Gadaffi-Truppen und Aufständischen gekommen.

Noch kurz vor dem Votum der UN hatte Gadaffi - an mögliche fremde Angreifer gewandt - gesagt: "Wir machen euch das Leben zur Hölle, weil ihr uns unseres zur Hölle macht." Sein Verteidigungsministerium drohte mit Vergeltung gegen Schiffe im Mittelmeer.

In Bengasi zeigte man sich von den Einschüchterungsgebärden unbeeindruckt. Bis in die Morgenstunden des Freitags feierte man mit Freudengesängen und Salutschüssen das Votum des Sicherheitsrates. In Misurata, der drittgrößten Stadt des Landes, blieb nicht viel Zeit zum Ausschlafen. Gaddafis Truppen griffen die eingekesselte Stadt erneut an. Auch hier wurden Dutzende Bürger getötet und verletzt. dpa