Wie fit ist Schäuble wirklich?

Berlin. Als ob Wolfgang Schäuble (CDU) schon geahnt hat, dass die Gerüchteküche wieder brodeln würde. Er sei "inzwischen abgehärtet über das, was über mich gesprochen und geschrieben wird", meinte der Finanzminister am vergangenen Donnerstag auf dem Steuerkongress des Handwerksverbandes

Berlin. Als ob Wolfgang Schäuble (CDU) schon geahnt hat, dass die Gerüchteküche wieder brodeln würde. Er sei "inzwischen abgehärtet über das, was über mich gesprochen und geschrieben wird", meinte der Finanzminister am vergangenen Donnerstag auf dem Steuerkongress des Handwerksverbandes. Prompt wurde der 67-Jährige am Wochenende von neuen Spekulationen eingeholt: Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), wurde in Berlin kolportiert, könnte wegen Schäubles angegriffener Gesundheit rasch dessen Nachfolge antreten. Wie fit ist der Minister wirklich?

"Ich fühle mich dieser Aufgabe immer noch gewachsen, und sie macht mir Freude", reagierte Schäuble in der "Welt am Sonntag" auf die Gerüchte. Die Frage, ob er sein Amt noch ausfüllen könne, sei jedoch "legitim", räumte er ein. Kanzlerin Angela Merkel ließ wissen, sie erlebe den Minister "voll einsatzfähig und tatkräftig".

Ist dem wirklich so? Schäuble kämpft seit Wochen mit gesundheitlichen Problemen, und seitdem gibt es die Spekulationen über ein mögliches Ausscheiden aus dem Amt. Nach einer Routineoperation hatte sich der querschnittsgelähmte Politiker, der 1990 Opfer eines Attentats geworden war, offenbar übernommen und gegen den Rat der Ärzte zu früh die Klinik verlassen. Die Wunde brach wieder auf, Schäuble musste erneut ins Krankenhaus.

Mitten in der Haushaltsaufstellung des Bundestages, dann während der einsetzenden Euro-Krise war Merkels wichtigster Minister ans Bett gefesselt. Zu den Ausschussberatungen und den internationalen Konferenzen musste er einen Staatssekretär als Vertreter schicken. Seitdem wird auch innerhalb der schwarz-gelben Koalition die Frage in den Raum gestellt, ob Schäuble seinem Amt auf Dauer gewachsen ist. Nicht nur, dass der Minister nach wie vor angeschlagen aussieht, diejenigen, die ihn in letzter Zeit in Sitzungen erlebt haben, berichten auch von starken Konzentrationsproblemen.

Ist das vielleicht der Grund für sein wenig eindrucksvolles Management der Griechenland-Krise? Oder für sein Hin und Her in Sachen Steuersenkungen? Zudem überzeugte Schäubles Haushaltsentwurf 2010 noch nicht einmal die eigenen Leute. In der Koalition wächst die Zahl derer, die von Merkels starkem Mann enttäuscht sind. Beim Steuerkongress der Handwerker erlebte man einen ausschweifenden Minister, der am Ende um Nachsicht bat, "dass ich die zentralen Fragen der Steuerpolitik nicht beantwortet habe". Roland Koch indes äußert sich schon seit Tagen in Interviews sehr intensiv zur Griechenland-Krise und den finanzpolitischen Folgen, was den Eindruck verstärkt hat, Koch halte sich bereit, Schäuble zu ersetzen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der ambitionierte Hesse für höhere Aufgaben gehandelt wird. Koch galt vor der Bundestagswahl als heißer Kandidat für einen Ministerposten. Außerdem heißt es, Merkel hätte ihm einst angeboten, EU-Kommissar in Brüssel zu werden, was er aber abgelehnt habe. Dass er jedenfalls seine politische Zukunft nach dem Beinahe-Wahldesaster bei der Landtagswahl Anfang 2009 nicht mehr unbedingt in Hessen sieht, glauben auch Parteifreunde.

 Finanzminister Schäuble ist gesundheitlich angeschlagen - wie stark, ist nicht bekannt.Foto: dpa
Finanzminister Schäuble ist gesundheitlich angeschlagen - wie stark, ist nicht bekannt.Foto: dpa