"Wer mal eingesperrt war, weiß, was ihm blüht"

Saarbrücken · Über den Koalitions-Plan eines Warnschuss-Arrests hat SZ-Redakteur Thomas Schäfer mit dem Vollzugsleiter der Jugendarrestanstalt des Saarlandes in Lebach, Günther Greis, gesprochen. Der 51-Jährige ist seit rund 20 Jahren als Jugendrichter tätig.

Herr Greis, der Warnschuss-Arrest für junge Straftäter soll kommen. Eine gute Idee?Greis: Ja, diese Regelung ist aus meiner Sicht wünschenswert. Sie wird auch von den Jugendrichtern in Deutschland nahezu unisono seit vielen Jahren gefordert. Der Warnschuss-Arrest ist zwar kein Allheilmittel, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass er in dem einen oder anderen Fall wahre Wunder wirken wird, dass die Jugendlichen ihre Bewährungsstrafe ernster nehmen. Wer mal eingesperrt war, weiß, was ihm blüht und was er riskiert, wenn er etwas Neues anstellt.

Bislang ist das nicht möglich?

Greis: Nein, es gibt im Jugendstrafrecht eine strikte Trennung zwischen einer Jugendstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren als der schärfsten Sanktion und diversen erzieherischen Maßnahmen wie Sozialstunden, Geldbußen, aber auch einem Arrest, der noch keine Strafe sein soll und für maximal vier Wochen verhängt werden kann.

In welchen Fällen passiert das?

Greis: Einerseits kann der Arrest im Urteil verhängt werden, wenn der Richter als Erziehungsmaßnahme eine scharfe Sanktion in Form eines Freiheitsentzugs für angemessen hält, zum Beispiel wegen gefährlicher Körperverletzung. Daneben gibt es den sogenannten Beugearrest, wenn etwa jemand seine Sozialstunden nicht ableistet.

Das heißt, man wird bisher bisweilen für vergleichsweise harmlose Taten eingesperrt und für schwerwiegendere Delikte nicht?

Greis: Das ist so. Jemand, der nicht sehr viel angestellt hat, bekommt unter Umständen zwei Wochen Jugendarrest. Dagegen erhält jemand, der aufgrund der Schwere seiner Tat für den Arrest gar nicht mehr in Frage kommt, eine Jugendstrafe auf Bewährung ohne Freiheitsentzug. Und hat dann das Gefühl, dass er besser weggekommen ist als derjenige mit den zwei Wochen Arrest. Es ist also vernünftig, dass die Jugendrichter zumindest die Option bekommen, eine Bewährungsstrafe mit einem Arrest zu kombinieren. Foto: B&B

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