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Luxair in Saarbrücken: ,,Wenn man etwas anfängt, muss man es auch durchziehen“

Luxair in Saarbrücken : ,,Wenn man etwas anfängt, muss man es auch durchziehen“

Luxair übernimmt ab 2018 die Flugstrecke nach Berlin. Für die Airline ist es der Beginn eines umfangreichen Engagements am Flughafen Saarbrücken.

,,Nie wieder Air Berlin.“ Mit dieser Ankündigung machte Volkwagen-Personalvorstand Karlheinz Blessing nicht nur bundesweit Schlagzeilen, sondern  verärgerte auch Air-Berlin-Chef-Thomas Winkelmann. Doch wie Blessing erging es längst immer mehr Saarländern über viele Monate hinweg: ob Politikern, Entscheidern aus der Wirtschaft, Unternehmern oder  Privatleuten. ,,Cancelled“ gehörte zur Tagesordnung am Saarbrücker Flughafen. Und nicht erst seit der Insolvenz der Airline im August waren die Verantwortlichen am Flughafen und im saarländischen Wirtschaftsministerium fieberhaft damit beschäftigt, einen Plan B mit einer Nachfolge-Airline zu schmieden.

Die ist nun gefunden. Nach dem letzten Start der Air Berlin in Saarbrücken Ende der Woche wird ab Januar 2018 Luxair dreimal täglich die Bundeshauptstadt ab Saarbrücken anfliegen. Die Luxair plant dies langfristig, selbst für den Fall, dass auch die Nachfolgegesellschaft der Air Berlin ab November oder zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ankündigen sollte, ebenfalls die Bundeshauptstadt ab Saarbrücken anzufliegen. Das versichern sowohl Luxair-Vorstandschef  Adrien Ney als auch sein Vorstandskollege Martin Isler. ,,Wenn man etwas anfängt, dann muss man es auch durchziehen“, sagte Isler am Samstag der SZ.

Vom Flughafen Saarbrücken sind die Luxemburger offensichtlich sehr angetan. Die Verhandlungen über die Berlin-Verbindung seien gut gelaufen. Zudem habe der Flughafen selbst extremes Interesse daran, dass Luxair wegen ihrer Zuverlässigkeit das Berlin-Engagement übernimmt. In einem frühen Stadium der Verhandlungen hätten noch Air Berlin und auch Lufthansa-Tochter Eurowings Slots nach Saarbrücken beantragt. Air Berlin habe sich dann aber wieder zurückgezogen.

Mit dem Saarland vertraglich vereinbart ist jetzt, dass Luxair montags bis freitags dreimal täglich von Luxemburg über Saarbrücken nach Berlin fliegt. Die Flieger starten in Saarbrücken um 7.25 Uhr (Ankunft Berlin-Tegel: 9.05 Uhr), 13.25 Uhr (Ankunft 15.05 Uhr) und 18.10 Uhr (Ankunft: 19.50 Uhr). Reisende ab Berlin fliegen um 9.40 Uhr (Ankunft Saarbrücken: 11.15 Uhr), 15.50 Uhr (Ankunft: 17.25 Uhr) und 20.45 Uhr (Ankunft Saarbrücken: 22.20 Uhr). An den Wochenenden wird ein reduziertes Angebot geflogen.

Frühbucher können mit günstigen Tickets rechnen. Luxair hat nach den Worten von Isler ,,ein besonderes Interesse an der Berlin-Strecke, weil wir damit einen Teil des Marktes besetzen können, der in unserem Einzugsgebiet liegt und auf den wir verzichtet haben, solange Air Berlin da war.“ Mit rund 170 000 Passagieren jährlich zähle die Verbindung zu den besonders lukrativen Strecken.

Wird  die Verbindung von den Reisenden angenommen, erwäge Luxair Ende 2018 wieder einen eigenen Flieger fest in Saarbrücken zu stationieren, um mit diesem Schritt auch wieder über eine Basis in Saarbrücken zu verfügen. Damit wolle die Airline auch in Wintermonaten Flugausfälle nach Möglichkeit nahezu ausschließen. Dass Luxair nicht schon Anfang November die Berlin-Verbindung übernimmt, habe auch organisatorische Gründe, denn in der Übergangsphase für die Dauer eines Jahres wird die in Slowenien ansässige Adria im Auftrag der Luxair nach Berlin fliegen. ,,Adria stellt uns für ein Jahr zu guten Bedingungen einen Jet zur Verfügung“, so Isler. Luxair selbst sei wegen der kurzen Zeit bis zur Übernahme der Strecke nicht in der Lage, Flugzeuge zu kaufen und Crews zu trainieren. Und auch Adria Airlines müsse man etwas Zeit geben, um sich auf die Übernahme der Strecke nach Berlin vorzubereiten, inklusive einer entsprechenden Repräsentanz am Flughafen Saarbrücken. Luxair ist zudem davon überzeugt, dass man für die Berlin-Verbindung auch noch zahlreiche zusätzliche Reisenden gewinnen kann, insbesondere aus Lothringen. Zudem deutete Luxair-Vorstand Isler an, dass auch Luxair-Tours sein Engagement am Flughafen Saarbrücken wieder ausbauen will, um mehr Direktflüge im Charter-Bereich ab dem Saar-Airport anbieten zu können. Zugleich betonte er, dass die Airline kein Interesse an einer Bedienung der München-Strecke ab Saarbrücken gezeigt habe. Das liege unter anderem daran, dass Luxair schon ab Luxemburg viermal täglich die bayerische Landeshauptstadt ansteuere.