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Wenn das Wetter aufs Gemüt schlägt

Wenn das Wetter aufs Gemüt schlägt

Die meisten Leute nervt das nasskalte Wetter inzwischen. Es kann sich auf unsere Stimmung auswirken – wenn auch nur wenig, wie Psychologen sagen. Wetterfühlige Menschen können unter der Witterung sogar körperlich leiden.

"Dieses miese Wetter macht mich ganz deprimiert!" Oder: "Wenn es weiter so regnet, drehe ich durch!" Wer diese oder ähnliche Sätze in den letzten Tagen nie gesagt oder von anderen gehört hat, hebe bitte die Hand. Das Wetter ist in aller Munde - und viele sind schon genervt davon. Doch kann es uns wirklich die Stimmung verderben?

Psychologen beschäftigen sich mit dieser Frage schon lange und sind sich nicht ganz einig. Die einen sagen Ja, die anderen eher Nein. "Das Wetter hat wohl einen wahrnehmbaren, wenn auch nicht sehr großen Einfluss auf unser Gemüt", sagt Dr. David Loschelder, Sozialpsychologe an der Universität des Saarlandes. Die Forschung habe ergeben, dass gutes Wetter die Laune zwar nicht unbedingt bessert, viel Regen, niedrige Temperaturen und insbesondere weniger Sonnenlicht die Stimmung aber durchaus drücken können. "Gleichzeitig ist es auch nicht nur das objektive Wetter, das unsere Laune verdirbt, sondern auch die Erwartungen, die wir an die Jahreszeit mitbringen. 15 Grad und Wolken würden zum Beispiel im Dezember als außergewöhnlich schön empfunden. Im Mai aber nicht", sagt Loschelder. Es komme auf die Perspektive an. Ein Vergleich mit schlechteren Tagen und Jahreszeiten könne also womöglich Abhilfe von der miesen Wetterlaune schaffen. "Auf der abendlichen Wetterkarte sind ja immer noch Gegenden mit noch mehr Wolken und Regenschauern verzeichnet." Auf die allgemeine Zufriedenheit der Menschen mit ihrer Lebenssituation habe das Wetter aber keine Auswirkung. "Sie ist durch viel komplexere Faktoren bedingt und lässt sich nachhaltig nicht durch so ‚Kleinigkeiten' wie das Wetter verändern", sagt Loschelder.

Dieser Ansicht ist auch Christina Koppe-Schaller, Medizinmeteorologin beim Deutschen Wetterdienst. Sie beschäftigt sich zudem mit den körperlichen Auswirkungen der Witterung. "Grundsätzlich macht uns das Wetter nicht krank, aber es kann der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt und Krankheitssymptome hervorruft", sagt sie. Wetterfühligkeit sei kein Hirngespinst. "Vor allem schnelle und extreme Schwankungen können zu schaffen machen, wenn sich der Organismus nicht schnell genug anpassen kann." Das könne zu Kopfschmerzen, Schlappheit oder Konzentrationsmangel führen.

Gute Zeiten für Allergiker

Auch fehlender Sonnenschein tut dem Körper nicht gut. "Wenn die Wolken tief hängen und es wenig Licht gibt, hat der Körper Probleme, das Hormon Serotonin zu produzieren, das uns wach macht", sagt Koppe-Schaller. Doch schon eine halbe Stunde Sonne am Tag genüge, um die Wettermüdigkeit abzuschütteln. Bei Allergikern kann das nasse Wetter sogar für gute Stimmung sorgen. Sie können dann meist besser durchatmen. "Der Regen wäscht Pollen und Dreck aus der Luft", sagt die Expertin.