Weltweite Trauer nach dem Massenmord von Norwegen

Oslo. Die meisten Opfer waren fast noch Kinder: Der Massenmord eines offensichtlich verwirrten Rechtsradikalen an fast 100 wehrlosen Menschen in Norwegen erschüttert auch Tage nach dem unvorstellbaren Drama die Welt

 Der skrupellose Mörder: Anders Behring Breivik (32). Foto: dpa

Der skrupellose Mörder: Anders Behring Breivik (32). Foto: dpa

Oslo. Die meisten Opfer waren fast noch Kinder: Der Massenmord eines offensichtlich verwirrten Rechtsradikalen an fast 100 wehrlosen Menschen in Norwegen erschüttert auch Tage nach dem unvorstellbaren Drama die Welt. Der von den Behörden als "christlicher Fundamentalist" eingestufte Anders Behring Breivik hatte am Freitag auf einer Ferieninsel nahe Oslo ein Blutbad unter rund 700 jungen Leuten angerichtet, mindestens 86 Menschen starben. "Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie", sagte Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg gestern bei einem Trauergottesdienst. Befürchtet wird, dass noch weitere Tote entdeckt werden könnten. Spezialisten suchten gestern nach mindestens vier Vermissten. Deutsche sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht unter den Opfern.Eine Stunde lang schoss der 32 Jahre alte Attentäter mit einem Schnellfeuergewehr gezielt auf die Jugendlichen des Ferienlagers. "Jeder lief um sein Leben", sagte Camp-Organisator Adrian Pracon, der das Blutbad überlebte. "Es sah aus, als habe er Spaß", berichtete ein Augenzeuge. Auch im Wasser wurden die wehrlosen Opfer unter Beschuss genommen. Teenager, die verletzt am Boden lagen, soll Breivik mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet haben. Als die Polizei, die offenbar zunächst kein geeignetes Boot auftreiben konnte, endlich auf der Insel eintraf, ließ sich der Attentäter ohne Gegenwehr festnehmen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte er "noch über große Mengen Munition", wie Ermittlungschef Sveinung Sponheim mitteilte. Mit ihrem "schnellen und kompetenten Eingreifen" habe die Polizei noch Schlimmeres verhindert, hieß es.

Vor dem Massaker hatte Breivik im etwa 40 Kilometer entfernten Oslo mit einer selbstgebauten Autobombe Teile der Innenstadt in eine Trümmerlandschaft verwandelt. Mindestens sieben Menschen wurden getötet. Die Tat sollte die Polizei ablenken.

In einem Geständnis bezeichnete Breivik seine Taten als "grausam, aber notwendig". Keine drei Stunden vor dem ersten Anschlag hatte er ein wirres "Manifest" im Internet abgeschlossen. Er wolle Europa vor "Marxismus und Islamisierung" retten. In dem Text stufte er "multikulturelle" Kräfte als Feinde ein. Neun Jahre soll er seine Taten vorbereitet haben.

Die internationale Gemeinschaft zeigte sich erschüttert von den Anschlägen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama verurteilten die Tat ebenso wie die Vereinten Nationen und die Europäische Union. Papst Benedikt XVI. warnte vor der Logik des Bösen. Für die Ermordung friedlicher Bürger gebe es keine Rechtfertigung, sagte Kremlchef Dmitri Medwedew. > Seiten A 2 und A 3: Berichte, A 4: Meinung dpa/dapd