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Was Schüler und Lehrer im Saarland fühlen und denken

Was Schüler und Lehrer im Saarland fühlen und denken

Saarbrücken. Schweigeminuten, ein Gottesdienst und viele Gespräche - so reagierte man gestern in den saarländischen Schulen auf den Amoklauf in einer Schule in Winnenden, bei dem 16 Menschen starben. Schüler, Lehrer und Schulleiter waren gleichermaßen betroffen über das Ausmaß der Tat

Saarbrücken. Schweigeminuten, ein Gottesdienst und viele Gespräche - so reagierte man gestern in den saarländischen Schulen auf den Amoklauf in einer Schule in Winnenden, bei dem 16 Menschen starben. Schüler, Lehrer und Schulleiter waren gleichermaßen betroffen über das Ausmaß der Tat.

Für Kai-Oliver Maas (17, Foto: Heike Theobald) aus Picard waren nicht die aggressiven Computerspiele ausschlaggebend für die Tat, sondern die Tatsache, dass der Vater Waffen im Haus hatte. "Waffen im Haus, das darf einfach nicht sein", findet Maas, der die zehnte Klassenstufe der Erweiterten Realschule I (ERS) in Saarlouis besucht. Matthias Tabellion (15) aus Wadgassen stimmt zu. Er ist im Schützenverein und kann nicht begreifen, warum der Vater so leichtsinnig gewesen ist. "Der Vater trägt eine große Mitschuld", meint auch Tim Oster (17) aus Saarlouis.

Oliver Busch (20) vom St. Ingberter Albertus-Magnus-Gymnasium ist "entsetzt". Angst, dass etwas Ähnliches an seiner Schule passieren könnte, habe er aber nicht direkt. An seiner Schule gebe es Projekte mit der Polizei zu Gewaltprävention und Schüler-Mediatoren, die ebenso wie die Lehrer ständig ansprechbar seien. Auch Alexander Dewald (18, Foto: Sebastian Klöckner) aus Limbach, der das Mannlich Gymnasium in Homburg besucht, hat keine Angst. Dennoch werde er immer nachdenklicher. "Es kann anscheinend ja überall passieren", sagt Dewald.

Andreas Holz (17) vom Berufsbildungszentrum in Merzig meint, dass ein solcher Fall im Saarland schwerer möglich wäre. "Hier ist alles kleiner, man kennt sich eher." Laura Haubert (15) sieht das anders. Sie sagt: "So klein ist das Saarland auch nicht."

Und wie denken die Schulleiter über den Amoklauf von gestern? Wie gehen sie damit um? Heinz Paulus (Foto: SZ), Schulleiter am Saarbrücker Ludwigsgymnasium, hat die Geschehnisse in Winnenden in seinen Klassen anhand von Zeitungsartikeln aufgearbeitet. Er stellte dabei "eine gewisse Unaufgeregtheit" unter seinen Schülern fest. Er glaubt, dass die Jugendlichen zunächst untereinander über ihre Gefühle sprechen werden und sich dann eventuell mit sachlichen Nachfragen an Erwachsene wenden.

Gesprächsbereit sein ist auch für viele seiner Kollegen das Gebot der Stunde. Das Lehrerkollegium der ERS Willi-Graf-Schule in Blieskastel hat sich gestern verständigt, den Amoklauf maßvoll zu thematisieren. "Wir wollten die Ängste der Schüler aufgreifen, zugleich neue Hysterie vermeiden und den Schulablauf möglichst normal halten", sagt Schulleiterin Sylvia Behet.

Und wie kann man einen möglichen Amoklauf verhindern? Das Verhalten der Schüler beobachten, darin sieht Herbert Möser, Konrektor der Erweiterten Realschule I in Saarlouis, eine Chance, rechtzeitig zu reagieren. "Wenn der Lehrer Unregelmäßigkeiten erkennt, muss er den Schüler darauf ansprechen, der Schüler wird nie den ersten Schritt machen", sagt Möser.

Angelika Bastuck, Leiterin der Erweiterten Realschule Klarenthal, formuliert einen klaren Appell: "Die Schulträger sind jetzt gefordert. Es muss neu über Sicherheit nachgedacht werden, und es muss klar sein, dass Sicherheit Geld kostet." Bastuck kann sich zum Beispiel vorstellen, die Türen mit Code-Karten-Systemen zu versehen. red