"Was ist mit den Amis?"

Baumholder. Der Truppenabbau der US-Armee in Europa trifft aller Voraussicht nach Rheinland-Pfalz besonders hart: Der Abzug der 170. Infanteriebrigade aus Baumholder scheint beschlossene Sache zu sein. Nach einer Internet-Veröffentlichung des US-Verteidigungsministeriums sollen zwei schwere Brigaden aus Europa abgezogen werden

Baumholder. Der Truppenabbau der US-Armee in Europa trifft aller Voraussicht nach Rheinland-Pfalz besonders hart: Der Abzug der 170. Infanteriebrigade aus Baumholder scheint beschlossene Sache zu sein. Nach einer Internet-Veröffentlichung des US-Verteidigungsministeriums sollen zwei schwere Brigaden aus Europa abgezogen werden. "Die einzigen zwei schweren Brigaden, die wir haben, sind die 170. und die 172. Brigade", erläuterte gestern ein Sprecher der US-Army in Heidelberg. Die 170. Infanteriebrigade ist in Baumholder im Kreis Birkenfeld in unmittelbarer Nähe der saarländischen Grenze stationiert. Der Standort gilt mit seinen knapp 5000 US-Soldaten als größte deutsche US-Garnisonsstadt. Der 172. Brigade im bayerischen Grafenwöhr gehören rund 3800 Soldaten an."Der Abzug der Brigade scheint sich damit zu bestätigen", sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Eine Ankündigung habe es bereits "vor geraumer Zeit" gegeben. "Wir gehen aber nach wie vor davon aus, dass der US-Standort Baumholder dauerhaft bestehen bleibt", zeigte sich Lewentz verhalten optimistisch. Dies sei auch von den US-Gesprächspartnern entsprechend mitgeteilt worden.

Nach Ansicht von Lewentz könnten anstelle der Kampfeinheit Logistikeinheiten in Baumholder stationiert werden. "Dafür habe ich bei meinen letzten Gesprächen in Washington geworben und werde dies auch bei meiner nächsten Washington-Reise im Mai tun." Der Bürgermeister von Baumholder, Peter Lang, sei gebeten worden, ihn zu begleiten. Lewentz rechnet nach eigenen Angaben noch im Laufe des Februars mit konkreten Entscheidungen der US-Regierung.

Ein möglicher Abzug der Brigade aus Baumholder sei einschneidend, sagte Bürgermeister Lang (SPD) gestern auf Anfrage. Aber: "Die Diskussion kam für uns nicht aus dem Nichts." Seit ein paar Jahren schon habe man in Baumholder gewusst, dass es 2013 zu Veränderungen komme solle. "Wir haben aber noch keine Informationen bekommen", sagte Lang. Er sei jedoch zuversichtlich, dass der US-Standort Baumholder erhalten bleibe. Auch er rechnet damit, dass bei einem Abzug das US-Militär andere Truppenteile für Logistik nach Baumholder schicke.

Immer wieder habe es in der 60-jährigen Geschichte der Amerikaner in Baumholder Abzugs- und Schließungspläne gegeben - zuletzt im Jahr 2004, sagte Lang. "Was ist mit den Amis?", sei auf den Straßen ein geflügeltes Wort. Die Stadt sei sehr von den Amerikanern geprägt, sagte Lang, der auch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Baumholder ist. Mit Familien und Zivilisten leben dort rund 13 000 Amerikaner. Und sogar gut 100 US-Rentner.

Die Brigade in Baumholder war im Februar 2011 erstmals zu einem Einsatz nach Afghanistan geschickt worden. Derzeit läuft der Einsatz aus: Von rund 3400 seien 85 Prozent der Soldaten bereits zurück. Bis Mitte Februar werde die Brigade wieder komplett in Baumholder sein. Drei vorherige Auslandseinsätze gingen in den Irak. Die Sprecherin der US-Garnison Baumholder sieht den Standort derzeit auch nicht in Gefahr. "Wir wissen noch nichts. Wir müssen abwarten", sagte sie gestern.

Wie die Deutschen und US-Amerikaner in Baumholder zusammengehören, zeigen auch neue Museumspläne der Stadt. Es werde gerade ein Museum geplant, das die deutsch-amerikanische Geschichte der Stadt aufzeige, sagte Lang. Das Museum für 3,5 Millionen Euro soll in zwei, drei Jahren fertig sein.

Auf einen Blick

Baumholder nahe der saarländischen Grenze gilt als größte deutsche US-Garnisonsstadt. Knapp 5000 amerikanische Soldaten sind hier im Kampfverband der 170. Infanteriebrigade stationiert. Mit ihren Familien und Zivilisten leben nach Angaben der US-Garnison etwa 13 000 Amerikaner in der Kleinstadt. Die Amerikaner haben das Leben in Baumholder mit seinen gut 4000 deutschen Einwohnern in den vergangenen 60 Jahren stark geprägt. Rheinland-pfälzische Politiker bezeichnen Baumholder stets als Beispiel für gelebte deutsch-amerikanische Freundschaft. dpa