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"Was in den letzten Tagen passiert ist, hat mit Respekt für die Polizei nichts zu tun"

"Was in den letzten Tagen passiert ist, hat mit Respekt für die Polizei nichts zu tun"

Mittlerweile scheint klar, dass die Polizei vor der Loveparade massive Sicherheitsbedenken hatte

Mittlerweile scheint klar, dass die Polizei vor der Loveparade massive Sicherheitsbedenken hatte. Warum hat sie gegenüber der Stadt klein beigegeben?

Müller: Die Frage ist: Hat die Polizei klare Hinweise gegeben, die das Ordnungsamt ignoriert hat? Oder hat das Ordnungsamt in Aussicht gestellt, die Hinweise der Polizei zu berücksichtigen, es dann aber doch nicht gemacht? Wenn die Polizei die Erkenntnis hatte, dass das Ordnungsamt die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen nicht ergreift, hätte sie das der Fachaufsichtsstelle beim Innenministerium erklären müssen.

Das hat sie nach bisherigem Kenntnisstand nicht getan.

Müller: Unterstellt, dass die Situation so gewesen sein sollte, mag das ein Fehler gewesen sein.

Ihre Konkurrenz-Gewerkschaft DPolG fordert, dass vor Großveranstaltungen das zuständige Innenministerium die Pläne absegnen muss. Was halten Sie von so einem Sicherheits-Tüv?

Müller: Ich bin bestürzt darüber, dass selbst ernannte Sicherheitsexperten kurze Zeit nach einem solch schrecklichen Ereignis alle möglichen Vorschläge parat haben. Wir haben in den letzten Jahrzehnten in Deutschland hunderte Großveranstaltungen sehr professionell bewältigt. Ich glaube nicht, dass das Problem in Duisburg ein strukturelles war. Es war ein Einzelfall.

Die Polizei schweigt, obwohl der Veranstalter ihr die Schuld an dem Unglück gibt. Fürchten Sie, dass das Ansehen der Polizei ernsten Schaden nehmen könnte?

Müller: Das befürchte ich in der Tat. Was in den letzten Tagen passiert ist, hat mit Respekt gegenüber der Polizei nichts zu tun. Wir sind in einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren, in dem es um strafrechtliche Vorwürfe und haftungsrechtliche Konsequenzen geht. Da ist es normal, dass man schweigt und die Geschehnisse erst einmal analysiert. Ich hätte mir gewünscht, dass die politische Führung, also der nordrhein-westfälische Innenminister, den Menschen erklärt, dass Schweigen nicht unbedingt bedeutet, dass man sich Vorwürfe macht.