Warnung vor Jugend-Krawall in Deutschland

Warnung vor Jugend-Krawall in Deutschland

Berlin/London. Nach den Jugendkrawallen in Großbritannien schließen Experten ähnliche Ausschreitungen in Deutschland nicht aus. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, widersprach gestern energisch der Einschätzung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), wonach solche Vorgänge in Deutschland nicht möglich seien

Berlin/London. Nach den Jugendkrawallen in Großbritannien schließen Experten ähnliche Ausschreitungen in Deutschland nicht aus. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, widersprach gestern energisch der Einschätzung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), wonach solche Vorgänge in Deutschland nicht möglich seien. "In Wahrheit geht Deutschland mit einer falschen Gesellschaftspolitik den Weg in britische Verhältnisse", sagte Wendt dem "Handelsblatt". Er verwies auf das Gewaltpotenzial im Umfeld von Fußball und politischem Extremismus und warf der Politik Realitätsverweigerung vor. Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) wandte sich gegen das Bild einer "heilen Welt in Deutschland". Viele Jugendliche erlebten tiefe Verunsicherung und große Zukunftsängste. Es gebe aber keine mit Großbritannien vergleichbare Gettobildung in den Städten.Perspektivlosigkeit unter Jugendlichen stellte die Präsidentin des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), Sabine Siegl, fest. Der Kriminologe Christian Pfeiffer schloss Jugendunruhen nicht aus. In Berlin und Hamburg gebe es "erste Anzeichen und Warnsignale", sagte er der "Schwäbischen Zeitung".

Deutschland hat zwar eine der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeitsraten in der EU, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Sie liege jedoch rund drei Punkte über der der Gesamtbevölkerung.

Großbritannien hatte seit dem Wochenende eine Reihe von Gewaltnächten in Städten erlebt. Gestern gab es keine größeren Zwischenfälle. , Seite A 4: Meinung kna/afp/dapd

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