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Die saarländischen Bundestagsabgeordneten: Von Saarbrücken nach Berlin

Die saarländischen Bundestagsabgeordneten : Von Saarbrücken nach Berlin

Gottesdienst zur Beruhigung und Ehrfurcht vor der Verantwortung: Die drei neuen saarländischen Abgeordneten berichten von ihrem „ersten Mal“ im Bundestag.

Den Kaffee kippt er nicht übers Brot. Aber womöglich nur, weil er zu aufgeregt ist, um überhaupt zu frühstücken. Stattdessen geht er für zehn Minuten zum Gottesdienst. Dabei ist es für den saarländischen CDU-Abgeordneten Markus Uhl strenggenommen noch nicht mal das erste Mal. „Ich war schon bei der letzten Ple­narsitzung. Aber im 19. deutschen Bundestag zu sitzen, ist natürlich etwas ganz Besonderes“, berichtet Uhl gestern um kurz nach 16 Uhr. Er muss sich rausschleichen, die Abstimmungen sind noch in vollem Gange. Ein langer erster Tag. Ein Tag voller „Freude, Demut und Respekt vor der Verantwortung“, sagt der 37-Jährige. So fühlt man sich also als frischgebackener Bundestagsabgeordneter. Demütig, motiviert und bereit für den demokratischen Disput. Ist letzterer denn auch mit der AfD möglich? „Ich bin gespannt.“ Der Umgang mit der AfD sei nicht einfach. Große Überraschungsmomente oder Eklats habe es am ersten Tag jedoch nicht gegeben, sagt Uhl. Er habe auch auf Anhieb seinen Platz gefunden. Wird das die CDU in den kommenden vier Jahren auch schaffen? „Ich bin bezüglich der Koalitionsverhandlungen optimistisch.“

Mit Zuversicht geht auch Josephine Ortleb an die Arbeit. Und mit klarer Kante: „Ich kann jemanden, der solche Aussagen trifft, nicht wählen.“ Die SPD-Newcomerin im Bundestag meint AfD-Mann Albrecht Glaser, der die Religionsfreiheit für Muslime in Frage gestellt hatte. In dieser Sache ist sie bekanntlich nicht die Einzige. In einer anderen durchaus: nämlich die einzige neue Frau aus dem Saarland im Berliner Bundestag. „Es ist mir eine große Ehre“, sagt Ortleb, die von intensiven Tagen der Vorbereitung berichtet. Deshalb habe sie auch trotz Aufregung gut geschlafen. Nur die Pendelei sei anstrengend: „Jetzt ist es ja noch komplizierter, von Saarbrücken nach Berlin zu kommen.“ Halb so wild, wäre da nicht auch die lästige Wohnungssuche. Viel Bewegung. Auch im Bundestag. „Ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeit, aber man spürt schon, dass sich mit dem Einzug der AfD etwas verändert hat“, sagt Ortleb. Man müsse die AfD „in der Sache stellen“. Sie persönlich rechne nicht mit „vernünftigen Beiträgen“. Deshalb brauche man die SPD als starke Opposition.

Markus Uhl (CDU) Foto: Carsten A Simon +49 171 5239700
Christian Wirth (AfD) Foto: dpa/Oliver Dietze

Stark fühlt sich auch der saarländische AfD-Abgeordnete Christian Wirth. Seine Fraktion wolle in den kommenden Jahren gegen „offene Grenzen und zügellose Zuwanderung“ kämpfen. Und seine Rolle steckt er gleich am ersten Tag ab: „Ich will kein Hinterbänkler sein.“ Deshalb sitze er im Zukunftsausschuss, habe sich der AfD-Landesgruppe Rheinland-Pfalz angeschlossen. „Es gibt hier viel zu tun“, sagt er über den Ort, den er zuvor „nur aus dem Fernsehen“ kannte. Innerhalb seiner Fraktion sei die Stimmung trotz Glasers Niederlage „sehr gut“ gewesen. Über die Ablehnung, die der AfD entgegenschlägt, sagt er: „Das sind Scheinfassaden, die mit der Zeit fallen werden. Grüne und Linke hatten auch anfangs ihre Schwierigkeiten.“ Aber die AfD sei nicht bereit, faule Kompromisse zu machen. Eine ähnliche Haltung hatte wohl gestern auch eine Frau, zu der sich Wirth in der Kantine gesellen wollte: „Als sie erfuhr, wer ich bin, sagte sie, sie wolle auf keinen Fall neben einem AfD-Mann sitzen.“ Seine Reaktion? „Ich habe gelacht.“