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Von der Enttarnung der Dickmacher

Von der Enttarnung der Dickmacher

Berlin. Fitness-Frühstück, Müsli-Riegel, Bio-Drink: Oft steckt mehr Fett, Zucker oder Salz drin als gedacht. Wer im Supermarkt oder beim Discounter seine Runde dreht, hat oft nicht viel Zeit. Und wenn man sich überhaupt informieren will über potenzielle Dickmacher, macht der Blick auf die Packung nicht immer schlauer

Berlin. Fitness-Frühstück, Müsli-Riegel, Bio-Drink: Oft steckt mehr Fett, Zucker oder Salz drin als gedacht. Wer im Supermarkt oder beim Discounter seine Runde dreht, hat oft nicht viel Zeit. Und wenn man sich überhaupt informieren will über potenzielle Dickmacher, macht der Blick auf die Packung nicht immer schlauer. Allerdings tragen mehr als 80 Prozent der Produkte in deutschen Ladenregalen nach Einschätzung der Lebensmittelwirtschaft inzwischen Angaben über den Gehalt an Kalorien, Zucker, Fett und Salz. Vor zwei Jahren waren es erst 60 Prozent. Wo Angaben heute noch ganz fehlen, stecken oft Kalorienbomben drin, kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg nach der Untersuchung von rund 3500 Produkten."Fit statt fett" Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind nach Einschätzung der Bundesregierung zu dick. Deshalb startete sie 2008 den Aktionsplan "In Form", um die Bundesbürger "fit statt fett" zu machen. Es geht um mehr Aufklärung, mehr Bewegung und mehr Initiativen. Bis 2020 sollen "sichtbare Ergebnisse" erreicht werden. Vor diesem Hintergrund ist die Kennzeichnung von Kalorienbomben zwischen Verbraucherschützern und Lebensmittelindustrie besonders umkämpft. Was soll auf die Packung drauf? Die Mehrzahl der Hersteller gibt bereits den Gehalt von Fett, Zucker, Salz und Kalorien als Anteil der täglichen Menge an. Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht Defizite aber besonders bei Konfitüren, Süßwaren und Milchprodukten. Discounter kommen bei der Befragung weit besser weg als Supermärkte. Eher wenig Nachholbedarf bei der Kennzeichnung gibt es demnach bei Müsli-Riegeln, Eis oder Chips.Der Lebensmittelwirtschaft schmeckt dieser Test nicht. "Das ist Irreführung", sagt die Sprecherin des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, Andrea Moritz. "Die Kennzeichnung ist freiwillig." Hier werde aber der Eindruck erweckt, als komme die Wirtschaft ihrer Pflicht nicht nach. Eine Verordnung wird gerade erst auf EU-Ebene entwickelt.Ampel-KennzeichnungVerbraucherschützer monieren, das jetzige System der Wirtschaft sei zu wenig verständlich. Sie fordern die Ampel-Kennzeichnung: Rot soll dabei heißen: Achtung, zu viel Fett, Salz oder Zucker. Gelb ist ein vorsichtiger Warnhinweis, und Grün soll die Unbedenklichkeit zeigen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält das jetzige freiwillige System für gescheitert. "Wir brauchen eine verbindliche Regelung, die dem Verbraucher Transparenz bietet", sagt Foodwatch-Sprecher Martin Rücker. Die Wirtschaft hält das Ampel-System für zu simpel. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht die Ampel-Kennzeichnung skeptisch, will aber eine bessere optische Darstellung des bisherigen Systems prüfen. Die Kennzeichnung in Ampel-Farben bekommt im Beraterkreis von Aigner indirekt Unterstützung. Die Universität Gießen bewertete im Auftrag von Foodwatch eine britische Studie als "hervorragende Leistung". Die Behörde zur Überwachung der Lebensmittelsicherheit (FSA) kommt darin zu dem Ergebnis, dass der Gehalt von Fett, Zucker und Salz in Verbindung mit rot, gelb oder grün am besten von Verbrauchern verstanden wird.