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Von Adenauers Saar-Problem und einer spektakulären Flucht

Von Adenauers Saar-Problem und einer spektakulären Flucht

Saarbrücken. "Es ist der ehrliche Wunsch des deutschen Volkes, sich wieder einzugliedern in die große europäische Gemeinschaft", kündigte Theodor Heuss bei seinem ersten offiziellen Empfang als Bundespräsident an. Die Saarbrücker Zeitung kommentierte: "Bundespräsident Heuss scheint für seine Rolle als Schiedsrichter vom Schicksal vorbestimmt zu sein

Saarbrücken. "Es ist der ehrliche Wunsch des deutschen Volkes, sich wieder einzugliedern in die große europäische Gemeinschaft", kündigte Theodor Heuss bei seinem ersten offiziellen Empfang als Bundespräsident an. Die Saarbrücker Zeitung kommentierte: "Bundespräsident Heuss scheint für seine Rolle als Schiedsrichter vom Schicksal vorbestimmt zu sein." Am Tag zuvor, am 12. September 1949, war Heuss im zweiten Wahlgang mit 416 von 800 Stimmen zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden."Die ruhige Stimme Theodor Heuss' wird in der deutschen Bevölkerung keinen Rausch der Begeisterung wecken. Sie wird aber Vertrauen einflößen, und wenn es dem greisen deutschen Politiker gelingen wird, über seine Vergangenheit als Vorsitzender der liberalen Partei hinauszuwachsen und zum Schlichter der widerstreitenden deutschen Tendenzen zu werden, wird er der jungen deutschen Demokratie auch jene Würde verleihen, ohne die sie in den Augen der Deutschen nicht bestehen kann", hieß es in der SZ.

Das neue Deutschland formiert sich rasch - die SZ titelt am 16. September 1949 schlicht: "Dr. Adenauer Bundeskanzler". Mit nur einer Stimme Mehrheit gewann er die Wahl zum ersten Bundeskanzler. Adenauer sollte noch eine wichtige Rolle für die Zukunft des Saarlandes spielen. Unmittelbar nach seiner Wahl erklärte er: "Es wäre äußerst schädlich, wenn Probleme, wie dasjenige des Saarlandes, die französisch-deutschen Beziehungen negativ beeinflussen könnten. Frankreich hat wirtschaftliche Interessen im Saarland und das Saarland ist auf vielen Gebieten nach Frankreich orientiert. Deutschland jedoch hat außer seinen wirtschaftlichen Interessen im Saarland noch politische Interessen, die Frankreich nicht hat. Es ist also notwendig, dass die Saarfrage in einem europäischen Sinne und einem europäischen Rahmen gelöst wird."

Die Saarfrage wird schließlich mit der Volksabstimmung 1955 und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1957 gelöst. 1958 beenden Bundeskanzler Adenauer und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle bei ihrem ersten Treffen die "Erbfeindschaft" der beiden Länder. Über das Zusammentreffen im lothringischen Colombey berichtet die SZ am 16. und 17. September, damit sei die "vergangene Gegnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland ein für allemal beseitigt".

In derselben Woche, in der Heuss und Adenauer gewählt werden, berichtet die SZ unter der Überschrift "Erste Abrechnung mit den Henkersknechten" auch über den ersten Kriegsverbrecherprozess in Lüneburg, bei dem ein britisches Militärgericht gegen die Wachleute des KZ Bergen-Belsen verhandelt. Damit begann die juristische Aufarbeitung der Nazi-Diktatur.

"Reichstag in schwerem Konflikt mit Papen aufgelöst" hatte es dagegen am 13. September 1932 geheißen, die SZ widmete dem Sturz des Reichskanzlers Franz von Papen ihre ganze Titelseite. Drei Jahre später druckte die SZ an derselben Stelle die Nürnberger Rassegesetze im Wortlaut, die unter anderem die Heirat von Juden und Nicht-Juden verboten. Über den folgenschweren 7. Reichsparteitag ab 15. September 1935 berichtete die gleichgeschaltete SZ täglich umfangreich.

Mit einer gewissen Leichtigkeit hingegen sorgte ein Heißluftballon im September 1979 für Aufsehen in Deutschland: Zwei Familien flohen mit diesem aus der DDR. Die SZ kommentierte: "Jetzt stößt uns die spektakuläre Flucht im selbstgebauten Heißluftballon wieder einmal darauf, wie unnormal trotz aller Bemühungen das Verhältnis der beiden Teilstaaten zueinander, wie groß der Unterschied zwischen den Systemen ist. Und wie weit das Regime in Ost-Berlin von der angestrebten Musterrepublik entfernt bleibt. Das war kein Werbeballon, schon gar nicht für Erich Honecker und Genossen."

Was sonst noch geschah:

13. September 1928: Der Okeechobee-Hurrikan verwüstet die Inseln der Karibik und die Ostküste der USA. Mindestens 4075 Menschen sterben.

• 13. September 1955: In Moskau enden Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion mit einer Vereinbarung über die Rückführung der letzten 9628 deutschen Kriegsgefangenen.

18. September 1989: Der Montagsdemonstration in Leipzig begegnen Sicherheitskräfte mit brutaler Gewalt und Verhaftungen.

saarbruecker-zeitung.de/

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