Verpasste Wende

Meinung:Verpasste Wende

Von SZ-KorrespondentinChristine Longin

Auf dem Papier sieht die französische Energiewende gut aus: der Atomstromanteil wird von 75 Prozent auf 50 Prozent verringert, die erneuerbaren Energien sollen ein Drittel der Stromproduktion ausmachen. Doch die Realität hinter den Zahlen ist eine andere. Denn das Energiewende-Gesetz, das heute verabschiedet werden soll, sieht die Abschaltung keines einzigen Reaktors vor. Dabei hatte Präsident François Hollande noch im Wahlkampf versprochen, den ältesten Meiler Fessenheim in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze zu schließen. Ein Wort, das er nun zu brechen droht. Das pannenanfällige Akw Fessenheim ist kein Einzelfall: Die meisten der 58 Reaktoren im europäischen Atomstromland Nummer eins sind mehr als 30 Jahre alt und haben Sicherheitsmängel. Sie könnten trotzdem alle weiter betrieben werden. Und 2016 sollen zwei moderne Druckwasserreaktoren am Ärmelkanal ans Netz gehen. Von einer Wende in der französischen Atompolitik kann da keine Rede sein.