USA fürchten weitere Enthüllungen Snowdens

Washington · Europa grollt. Der Ärger über von Washington befohlene Abhör-Aktionen belastet die Gespräche über ein Freihandelsabkommen. Die USA geben sich gelassen. Sie haben andere Sorgen.

Mit Groll über die Datenspionage des US-Geheimdienstes NSA ziehen die Europäer am Montag in erste Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen. Doch während Europa sich empört, geben sich die Amerikaner gelassen. "Die Europäer würden sich ins eigene Knie schießen, wenn sie das Abkommen an der NSA-Affäre scheitern lassen", sagt Michael Haltzel vom Zentrum für Transatlantische Beziehungen in Washington. "Denn obgleich der Nutzen für beide Seiten groß ist, profitieren die Europäer nach Berechnungen von Ökonomen noch etwas mehr." Durch den Abbau von Zöllen und anderen Handelsschranken soll das Bruttoinlandsprodukt in der EU um 0,5 Prozent steigen - in den USA um 0,4 Prozent.

"Würden die Europäer uns jetzt einen Korb geben, hätten wir immer noch die Möglichkeit, uns in Richtung Pazifik zu orientieren", sagt ein US-Experte aus dem Verhandlungskreis. "Die EU wird nicht riskieren, ihren größten Partner wegen einer Verstimmung in die Wüste zu schicken." Die EU hat bereits am Dienstag erklärt, dass sie ungeachtet der Spionagevorwürfe gegen Washington am Start der Gespräche festhält.

Auch die neue Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, spielt die Auswirkungen des NSA-Skandals herunter. "Ich glaube nicht, dass die diplomatischen Konsequenzen derart groß sind. Zumindest nicht soweit vorhersehbar." Genau hier wird es spannend: Zum einen hat "Guardian"-Reporter Glenn Greenwald erklärt, dass die wichtigsten Enthüllungen seines Informanten Snowden noch gar nicht veröffentlicht sind. Der US-Geheimdienst fürchtet diese Informationen möglicherweise mehr als die schon bekannten. Zum anderen könnten die Geheimdienste in Russland und China bereits mehr Einblick haben. Snowden reist angeblich mit vier Laptops voller Informationen umher. Unklar ist, wie kooperativ er sich auf seiner bisherigen Flucht gezeigt hat.