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Unscheinbar, aber knallhart: "Mister EU" Herman Van Rompuy

Unscheinbar, aber knallhart: "Mister EU" Herman Van Rompuy

Brüssel. "Sphinx" wird Herman Van Rompuy von seinen belgischen Landsleuten genannt, weil der Mann der leisen Töne sich gerne zurücknimmt. "Wir sind nicht ewig, und wir sind nicht unersetzlich. Für manche ist das ein großes Problem. Für mich nicht", sagte der studierte Philosoph, der gerne Haiku-Verse dichtet, einmal über sich selbst

Brüssel. "Sphinx" wird Herman Van Rompuy von seinen belgischen Landsleuten genannt, weil der Mann der leisen Töne sich gerne zurücknimmt. "Wir sind nicht ewig, und wir sind nicht unersetzlich. Für manche ist das ein großes Problem. Für mich nicht", sagte der studierte Philosoph, der gerne Haiku-Verse dichtet, einmal über sich selbst. Noch heute sagt man dem konservativen Flamen nach, er könne einen Raum betreten, ohne dass es einer merkt. Vor 62 Jahren kam der Vater von vier Kindern in der Brüsseler Randgemeinde Etterbeek zur Welt. Es ist jener Bezirk, in dem sich fast alle EU-Institutionen befinden. Er studierte Philosophie und Betriebswirtschaftslehre, trat mit 16 Jahren in die christliche Volkspartei Flanderns ein. Mit 28 wurde er Berater des damaligen belgischen Premierministers Leo Tindemanns - eine steile politische Karriere, die erst 1999 gestoppt wurde, als seine Partei bei den Parlamentswahlen eine schwere Schlappe erlitt. Van Rompuys Stunde kam, als der große Wahlsieger von 2007, sein Landsmann Yves Leterme, gleich mehrfach scheiterte. Van Rompuy habe seinen politischen Ehrgeiz dermaßen geschickt getarnt, dass im Laufe der Regierungsverhandlungen niemand wirklich bemerkt habe, wie er seinen Konkurrenten Leterme endgültig abservierte, sagen Insider. Ergebnis: Im Dezember 2008 rückte Van Rompuy auf den Stuhl des Premierministers - in Belgien kehrte endlich Ruhe ein. Sprachenstreit, gar das Zerbrechen des Landes in seine drei Teil-Regionen - all das war plötzlich kein Thema mehr. Unauffällig aber sehr bestimmt lenkte Van Rompuy Belgien wieder in ruhigere Bahnen. Bis er beim Sondergipfel der EU im November dieses Jahres für viele überraschend zum ersten ständigen Ratspräsidenten der EU gewählt wurde. Er sei "farblos", "blass", "ohne Kontur" - all das musste sich der Mann sagen lassen, der an der Bildung von insgesamt neun belgischen Regierungen beteiligt war. Doch inzwischen wachsen Zweifel, ob die Beschreibung wirklich zutrifft. "Das ist kein Mann für das Scheinwerferlicht", heißt es in Brüssel. "Aber im direkten Gespräch kann Van Rompuy knallhart sein." Zweieinhalb Jahre hat er nun Zeit, den Job an der Spitze der Europäischen Union zu prägen. Denn was genau seine Aufgabe ist, das steht im Lissabonner Vertrag, der seine Position überhaupt erst erfunden hat, gar nicht drin. dr