Union fürchtet nach FDP-Debakel auch um eigenes Ansehen

Union fürchtet nach FDP-Debakel auch um eigenes Ansehen

Berlin. Angela Merkel spulte gestern im Bundestag ihre Rede zum Euro ganz kühl herunter. Kein Wort zum Rücktritt des FDP-Generalsekretärs Christian Lindner, nicht eine einzige Andeutung zur neuen Lage in ihrer Koalition. Daraufhin stichelte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: "Die Regierung ist dabei, Ihnen um die Ohren zu fliegen, und Sie verlieren kein einziges Wort darüber

Berlin. Angela Merkel spulte gestern im Bundestag ihre Rede zum Euro ganz kühl herunter. Kein Wort zum Rücktritt des FDP-Generalsekretärs Christian Lindner, nicht eine einzige Andeutung zur neuen Lage in ihrer Koalition. Daraufhin stichelte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: "Die Regierung ist dabei, Ihnen um die Ohren zu fliegen, und Sie verlieren kein einziges Wort darüber. Das ist erstaunlich." Tatsächlich trifft der Rücktritt Lindners die schwarz-gelbe Koalition hart.Die Kanzlerin wurde ebenso von der Entscheidung des liberalen Feingeistes kalt erwischt. Bei der morgendlichen "Lage" der Unionsseite vor der Kabinettsitzung im Kanzleramt ahnte jedenfalls noch niemand etwas von dem Paukenschlag, der da kommen würde. Auch der anwesende CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nicht. Anfänglich war Gröhes Zusammenarbeit mit Lindner holprig gewesen. Später entwickelte sich dann ein durchaus vertrauensvolles Verhältnis. Er hoffe auf eine "überzeugende Nachfolgelösung", so Gröhe zur SZ.

Regierungssprecher Steffen Seibert versuchte zu beschwichtigen. Mit der Arbeit der Bundesregierung "hat der Rücktritt gar nichts zu tun". Lindner habe kein Regierungsamt. Wahr ist aber auch, dass viele Bürger zwischen der Regierung und der sie tragenden schwarz-gelben Parteienkoalition nicht differenzieren. Und außerdem weiß man, dass der Kanzlerin die Entwicklung ihres Partners eben nicht egal ist. Zuletzt wirkte sie mehrfach wie bei der Vorstellung einer Biografie über Philipp Rösler mitleidig genervt, als es um den Zustand der FDP ging.

Aus Koalitionskreisen hieß es gestern, auch Merkel wisse, dass das liberale Chaos ihr, ihrer Regierung und inzwischen auch dem bürgerlichen Lager im Parteienspektrum schade. "Das färbt auf uns doch ab", meinte einer aus der Union im Reichstag, wo viel über den Rücktritt getuschelt wurde. Schon länger ist von Abgeordneten der CDU/CSU zu hören, dass die eigene Klientel nicht nur wegen der vielen Volten der Regierung extrem verunsichert ist. Sondern auch wegen der desolaten Vorstellung des Koalitionspartners. has