Ungewiss wie nie

Die Regierung steckt im Popularitätstief, die konservative Opposition im Sumpf der Sarkozy-Affären. Werden die Wähler Präsident Hollande abstrafen oder einfach den Urnen fern bleiben? Die Kommunalwahl in Frankreich ist so spannend wie nie.

Man kann nicht behaupten, dass die Pariser Politik sich im Allgemeinen besonders viele Gedanken über Forbach macht, an diesem Sonntag aber dürfte die politische Elite Frankreichs genauer hinsehen, wenn in Saarbrückens Nachbarstadt ein neuer Bürgermeister gewählt wird. Dort hat nämlich der Kandidat des rechtsextremen Front National (FN), Florian Philippot, gute Chancen, die Wahl zu gewinnen.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop vom Februar käme er in der ersten Runde der Kommunalwahl auf 35 Prozent, der sozialistische Amtsinhaber Laurent Kalinowski dagegen nur auf 33 Prozent. Bei einer Stichwahl im zweiten Wahlgang erreichten demnach beide Kandidaten 38 Prozent der Stimmen. Sollte Philippot Kalinowski tatsächlich schlagen, wäre es die Revanche für die Parlamentswahl 2012, wo Philippot eben jenem Kalinowski noch knapp unterlegen war. Der Bewerber der konservativen UMP, Alexandre Cassaro, spielt bei der Entscheidung keine Rolle.

Darüber hinaus könnte der Front National in Lothringen vier weitere Rathäuser erobern, sollte es in der zweiten Runde keine Gegenallianz der anderen Parteien geben. Zwei davon befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Saarbrücken, Stiring-Wendel - der Heimatort der Sängerin Patricia Kaas - und Freyming-Merlebach. Gute Chancen hat der FN auch in Amnéville, dessen Zoo viele Saarländer kennen, und in Dombasle-sur-Meurthe bei Nancy.

Sozialisten vor Wiederwahl

In Metz rechnen die Demoskopen mit einem Wahlsieg des sozialistischen Amtsinhabers Dominique Gros. Nach einer Umfrage, die das Institut BVA vergangene Woche im Auftrag der Zeitung "Le Républicain Lorrain" veröffentlicht hat, liegt die UMP-Kandidatin Marie-Jo Zimmermann im ersten Wahlgang zwar vorne, verliert aber den zweiten Wahlgang gegen Gros. Die Kandidatin des Front National, Françoise Grolet, käme demnach im ersten Wahlgang auf elf Prozent der Stimmen, bliebe in der zweiten Runde aber chancenlos.

In Straßburg kann laut einer Umfrage des Instituts BVA Amtsinhaber Roland Ries fast sicher mit seiner Wiederwahl rechnen. In allen möglichen Konstellationen sehen die Meinungsforscher den Sozialisten vorne. Die Herausfordererin der UMP, Fabienne Keller, bliebe ebenso chancenlos wie der Kandidat des FN, Jean-Luc Schaffhauser. Die Stadt der Liebe wird bald erstmals von einer Frau regiert: Der Kampf um das Bürgermeisteramt in der französischen Hauptstadt entscheidet sich zwischen zwei Kandidatinnen, die sich im Wahlkampf ein erbittertes Duell geliefert haben. Für die Sozialisten bewirbt sich Anne Hidalgo um die Nachfolge ihres Parteifreundes Bertrand Delanoë, der 2001 erstmals für die Linke das Bürgermeisteramt in Paris erobert hatte. Die Konservativen schicken Nathalie Kosciusko-Morizet ins Rennen, die landesweit bekannte, schillernde Ex-Ministerin des abgewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy. Den Umfragen zufolge hat Hidalgo die besseren Aussichten, auch wenn sie nach der ersten Runde am Sonntag voraussichtlich in die Stichwahl muss.