Und dann schaute die Bundespolitik wieder Richtung Saar

Und dann schaute die Bundespolitik wieder Richtung Saar

Verdammt lang her. Zeiten, an die ich mich mit gemischten Gefühlen erinnere. Politik und Fußball bestimmten mein Leben. Als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag bei einer absoluten Mehrheit hatte ich Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch eine große Verantwortung zu tragen. Die Bewältigung der Stahlkrise, neue Arbeitsplätze bei den Zulieferern der Automobilindustrie, eine erste Teilentschuldung, der Ausbau der Forschung an der Universität des Saarlandes , die Gründung der Hochschule der bildenden Künste, die Gesamtschule als Regelschule, die Psychatriereform, das Weiterbestehen des Saarländischen Rundfunks zählen zu den Erfolgen, die Abwärtsspirale des Bergbaus, das letzte große Aufbegehren der Bergleute in den Märztagen 1997 zu den schmerzlichen Erfahrungen.

Die Bundes-SPD suchte neue Horizonte. Das Saarland mit seiner absoluten Mehrheit zog die Hoffnungen an. So war es geradezu zwangsläufig, dass die Kanzlerkandidatur 1990 auf Oskar Lafontaine zulief. Mit großer Disziplin hielt er diese auch nach dem Attentat aufrecht.

Eine bundesdeutsche Wahl hätten wir vermutlich gewonnen, die gesamtdeutsche aber nicht. Die harsche Kritik in der Partei an Lafontaines Deutschlandpolitik brachte es mit sich, dass er die längst abgesegnete Übernahme des Parteivorsitzes ablehnte. Die Landtagswahl 1994 brachte erneut die absolute Mehrheit, die Bundestagswahl ging verloren. 1995 löste Lafontaine den glücklosen Scharping als Parteivorsitzender ab und es begann der (1998 letztlich erfolgreiche) Kampf um den Bund. 1996 wurde ich zum Landesvorsitzenden der SPD gewählt. Die Zusammenarbeit mit Lafontaine funktionierte, die durchaus vorhandenen Meinungsverschiedenheiten hatten wir im Griff. Ich war zwar auch auf Bundesebene unterwegs, aber die Arbeitsteilung war klar. Ich hielt im Land die Dinge so gut es ging in Ordnung und er hatte freie Hand für seine weiterreichenden Aufgaben bzw. Ambitionen.

Beim 1. FC Saarbrücken waren die Zeiten - wie immer - wechselhaft. Mit Peter Neururer gelang im Jahre 1992 noch einmal eine triumphale Rückkehr in die 1. Bundesliga. Es folgte - nicht zum ersten Mal - der Abstieg und mit der Lizenzverweigerung der Absturz. Franz Abel erkämpfte einen Vergleich mit den Gläubigern und ich suchte neue Sponsoren. Als der einzige Interessent, die Baumarktkette "Praktiker", die Bedingung stellte, ich müsse dann aber Präsident werden, fand ich mich auf dem Präsidentenstuhl wieder, den ich später an Hartmut Ostermann übergeben konnte, sodass seitdem finanziell keine größeren Probleme entstanden sind. Nur die dauerhafte Präsenz in den beiden oberen Ligen lässt immer noch auf sich warten.

Reinhard Klimmt , früherer Ministerpräsident, SPD-Spitzenpolitiker und FCS-Funktionär

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