TV-Duell von Merkel und Steinbrück bringt keinen klaren Sieger

TV-Duell von Merkel und Steinbrück bringt keinen klaren Sieger

Im TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) konnten gestern weder Kanzlerin noch Herausforderer entscheidend punkten. Die sachliche Debatte machte aber inhaltliche Unterschiede klar.

. Im einzigen Fernsehduell vor der Bundestagswahl in drei Wochen haben sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kandidat Peer Steinbrück gestern Abend vor geschätzten 15 Millionen Zuschauern in TV und Internet einen Schlagabtausch geliefert, der stets sachlich im Ton blieb. Angesichts des klaren SPD-Rückstands in allen Umfragen ging der Herausforderer in die Offensive. Insgesamt blieb die 90-minütige Debatte jedoch ohne eindeutigen Sieger. Nach einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF schlug sich für 40 Prozent der Zuschauer die Amtsinhaberin besser, für 33 Prozent der Herausforderer. Eine Forsa-Umfrage für RTL brachte 44 Prozent für Merkel, 43 Prozent für Steinbrück. Eine Infratest-Dimap-Umfrage für die ARD sah Steinbrück bei 49 Prozent der Zuschauer vorn, Merkel bei 44 Prozent.

Erwartungsgemäß zeichneten Kanzlerin und Kandidat ein völliges unterschiedliches Bild. Merkel sagte, Deutschland habe mit 29 Millionen Menschen heute so viele Beschäftigte wie nie zuvor. Der Bund werde 2015 erstmals wieder in der Lage sein, ohne neue Schulden auszukommen. Dann warnte sie: "Wir dürfen nichts tun, was Arbeitsplätze in Gefahr bringt. Die Steuererhöhungspläne der Sozialdemokraten und der Grünen bringen die Gefahr mit, dass wir die gute Ausgangslage, die wir haben, nicht verbessern, sondern verschlechtern." Steinbrück entgegnete: "Wir wollen nicht die Steuern für alle erhöhen." Die SPD wolle jedoch die "fünf oberen Prozent" der Einkommensbezieher stärker heranziehen.

Deutlich wie noch nie schloss Merkel die Einführung einer Pkw-Maut auf Deutschlands Autobahnen aus. "Mit mir wird es keine Pkw-Maut im Inland geben." Im Streit um ein mögliches drittes Rettungspaket für Griechenland ließ die Kanzlerin offen, wie hoch weitere Hilfen ausfallen könnten. Steinbrück warnte davor, die "Konsolidierungskeule" gegenüber den europäischen Schuldenstaaten zu schwingen.

In der NSA-Spähaffäre erhob Steinbrück den Vorwurf, Merkel habe ihren Amtseid verletzt, Schaden für die Bundesrepublik abzuwenden. Das Abfischen von Daten durch den US-Geheimdienst sei nach wie vor ungeklärt. Die Kanzlerin betonte, sie habe keinen Anlass, den Versicherungen der USA und Großbritanniens zu misstrauen, ihre Geheimdienste hielten sich an deutsches Recht. > e und Meinung

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