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Türkei gibt schlechtes Beispiel ab

Türkei gibt schlechtes Beispiel ab

Istanbul. Als Junge hat Osman Özveren noch im Aksehir-See in Westanatolien geangelt. Heute kann er davon nur noch träumen, denn der See ist nicht mehr da. "Das macht uns traurig," sagt Özveren, Leiter der städtischen Umweltabteilung in Aksehir, jener Stadt, die dem See seinen Namen gab

Istanbul. Als Junge hat Osman Özveren noch im Aksehir-See in Westanatolien geangelt. Heute kann er davon nur noch träumen, denn der See ist nicht mehr da. "Das macht uns traurig," sagt Özveren, Leiter der städtischen Umweltabteilung in Aksehir, jener Stadt, die dem See seinen Namen gab. Der Aksehir-See ist eines von mehreren Gewässern in Anatolien, die es nur noch auf Landkarten und in Atlanten gibt: Aufgrund eines ungezügelten Raubbaus am Rohstoff Wasser sind sie ausgetrocknet. Mit Hilfe von Satellitenbildern und anderen Vorgaben hat der Ingenieur Ferruh Yildiz das Schicksal des Aksehir-Sees und anderer Gewässer nachgezeichnet. Die Fläche des Aksehir-Sees ging demnach zwischen 1970 und 2006 von 35 000 Hektar auf 3000 Hektar zurück, danach ist er völlig ausgetrocknet. In Aksehir sind die Folgen des See-Todes bereits deutlich zu spüren. "Das Mikro-Klima ändert sich", sagt der Beamte Özveren. "Heutzutage ist es trockener als früher." Eine Konsequenz ist ein dramatischer Rückgang der Kirschernte in der Gegend. Eine ungewöhnliche Trockenheit und der Klimawandel werden hin und wieder als Gründe genannt. Doch Umweltschützer sehen das anders. "Der Aksehir-See trocknet nicht aus irgendwelchen natürlichen Gründen aus, er trocknet aus, weil mit dem Hydro-System in der Gegend herumgepfuscht wird", sagt Uygar Özesmi, Generaldirektor der türkischen Greenpeace-Sektion. "Es ist ein Umwelt-Verbrechen." Experten sind sich einig, dass die anatolischen Seen deshalb sterben, weil in der Gegend um Konya in den letzten Jahren mehrere zehntausend illegale Brunnen zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen gebohrt worden sind. Felder mit Getreide und Zuckerrüben sowie Obstplantagen können nur dank des Brunnenwassers überleben. Diese wirtschaftlichen Interessen lassen dem Wasser keine Chance. Zwar erteilen die Behörden schon seit Jahren keine Genehmigungen für landwirtschaftliche Brunnen in der Provinz Konya mehr, doch es werden trotzdem immer neue Brunnen gebohrt. Eine wirksame behördliche Kontrolle und eine Bestrafung von Besitzern illegaler Brunnen gibt es nicht.

Auf einen BlickAb heute ist die Türkei Gastgeber des Weltwasserforums, bei dem tausende Fachleute, Umweltschützer und Regierungsvertreter aus aller Welt bis zum 22. März über einen schonenden Umgang mit der lebenswichtigen Ressource sprechen wollen. Es ist das bislang größte Treffen zum Thema Wasser. red