Trump teilt im Fall Comey kräftig aus

Trump teilt im Fall Comey kräftig aus

Die Affäre um den Rauswurf des FBI-Direktors geht weiter: Der US-Präsident reagiert wütend, droht Comey – und den Medien.

(afp/dpa) Nach der Entlassung von FBI-Direktor James Comey hat US-Präsident Donald Trump seine Angriffe und Drohungen gegen den bisherigen Chef der Bundespolizei verschärft. Trump warnte Comey am Freitag davor, mit internen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen. Bevor er Interna weitergebe, solle Comey "besser hoffen, dass es keine Aufzeichnungen von unseren Gesprächen gibt", schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er wollte damit offenbar andeuten, dass er für Comey unangenehme Informationen in der Hinterhand hat.

Trump hatte zuvor einen Zusammenhang zwischen Comeys Entlassung und den Russland-Ermittlungen des FBI hergestellt. Der FBI-Chef hatte im März in einer Anhörung des Kongresses bestätigt, dass die FBI-Ermittlungen zu den mutmaßlichen russischen Hackerangriffen auf die Demokratische Partei von Trumps Rivalin Hillary Clinton im Wahlkampf auch die mögliche Verwicklung von Trump-Mitarbeitern einbeziehen. Der Präsident sagte am Donnerstag dem Fernsehsender NBC News über den Rauswurf des FBI-Direktors: "Als ich mich entschloss, es zu tun, habe ich mir gesagt, diese Russland-Sache mit Trump und Russland ist eine erfundene Geschichte." Zugleich beschimpfte er Comey als "Angeber" und "Wichtigtuer" und warf ihm vor, die Bundespolizei in "Aufruhr" versetzt zu haben.

Mit seinen Äußerungen widersprach Trump der bisherigen offiziellen Version von Comeys Entlassung. Demnach war der Präsident einer Empfehlung der Spitze des Justizministeriums gefolgt, das den Umgang des FBI-Chefs mit Clintons E-Mail-Affäre gerügt hatte. Trump hatte selbst in seinem Entlassungsschreiben an Comey vom Dienstag erklärt, er habe damit den Rat des Justizministeriums "akzeptiert". Im Gegensatz dazu sagte Trump nun, die Initiative zur Entlassung des FBI-Chefs sei von ihm selbst ausgegangen: "Ich wollte ihn unabhängig von Empfehlungen feuern."

Die Opposition sieht in Comeys Entlassung einen Versuch, die Russland-Ermittlungen des FBI auszubremsen, und fordert deshalb die Einsetzung eines Sonderermittlers. Nach Informationen der "New York Times" hatte der Präsident bei einem Abendessen eine Woche nach seinem Amtsantritt im Januar von dem FBI-Chef verlangt, seine "Loyalität" zu ihm zu bekunden. Dies habe ihm Comey trotz mehrfacher Aufforderung verweigert, berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei Comey-Vertraute. Stattdessen habe der FBI-Chef dem neuen Präsidenten lediglich versichert, dass er immer ehrlich zu ihm sein werde. Comey glaube nun, dass dieses Gespräch der Anfang vom Ende seiner Amtszeit gewesen sei, schrieb das Blatt.

Ebenso griff Trump am Freitag erneut die Medien hart an. In einem Wutausbruch auf Twitter warf er ihnen vor, falsch über Comeys Entlassung zu berichten und drohte damit, die Pressekonferenzen des Weißen Hauses einzustellen. "Vielleicht wäre es das beste, alle künftigen Presse Briefings zu canceln und stattdessen schriftliche Stellungnahmen zu verteilen, um der Sorgfalt genüge zu tun???", schrieb Trump.

Trump versuchte, gravierende Unterschiede zwischen seinen Worten und den Darstellungen seiner Sprecher damit zu begründen, er sei ein sehr aktiver Präsident, und viele Dinge geschähen. Selbst regierungskritische US-Medien weisen in der Affäre Comey mittlerweile darauf hin, dass der Ursprung aller Widersprüche der Präsident selbst sei - und nicht seine Sprecher Sean Spicer und Sarah Sanders.