Tiefe Löcher in der Kasse

Berlin. Die Postkarte der CDU flatterte in dieser Woche vielen Berliner Journalisten auf den Schreibtisch: "Leider mussten wir uns aus organisatorischen Gründen entschließen, die Veranstaltung dieses Jahr ausfallen zu lassen", stand darauf. Gemeint war die "Media Night" der Union im Juni - eine Feier mit 2000 Gästen, Showprogramm und Kanzlerin

Berlin. Die Postkarte der CDU flatterte in dieser Woche vielen Berliner Journalisten auf den Schreibtisch: "Leider mussten wir uns aus organisatorischen Gründen entschließen, die Veranstaltung dieses Jahr ausfallen zu lassen", stand darauf. Gemeint war die "Media Night" der Union im Juni - eine Feier mit 2000 Gästen, Showprogramm und Kanzlerin. Hinter den "organisatorischen Gründen" verbirgt sich jedoch mehr: Die Parteien haben offenbar zunehmend Probleme, Sponsoren aus der Wirtschaft für derlei Veranstaltungen zu finden. Das Geld ist knapp, und die Firmen sind vorsichtiger geworden. Im Internet sind 24 namhafte Geldgeber gelistet, die die letztjährige "Media-Night" der Union gesponsert haben. Aus CDU-Kreisen heißt es: "Die Absage hat auch finanzielle Gründe." Aufgrund gesunkener Sponsoring-Einnahmen hätte man dem gewohnt "hohen qualitativen Anspruch in diesem Jahr" nicht gerecht werden können. Wie groß die finanzielle Lücke wegen fehlender Sponsoren-Gelder am Ende gewesen ist, dazu will man sich in der Union nicht äußern.Dass die Wirtschaft nicht mehr so spendierfreudig ist, daran ist auch der öffentliche Streit um das Parteien-Sponsoring Schuld. Ausgelöst wurde er durch die CDU in Nordrhein-Westfalen, die Ausstellern auf Parteitagen Gespräche mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gegen Geld angeboten hatte. Viele Unternehmen sind durch die Debatte abgeschreckt worden und gehen jetzt auf Distanz, um nicht in Verruf zu geraten. Die FDP spürt dies deutlich: Bei ihrem Bundesparteitag nächste Woche in Köln ist die Zahl der Aussteller von 70 auf unter 60 gesunken. "Es gibt einen Rückgang", bestätigen die Liberalen. "Ob das nachhaltig ist, wissen wir nicht." Einige Firmen begründen ihre Abstinenz allerdings auch mit Budgetproblemen. Für die Parteien ist das ein riesiges Problem: Ein Parteitag verschlingt zumeist zwischen 200 000 und 500 000 Euro, ab und an ist sogar mal eine Million Euro fällig. Bleiben Aussteller weg, lassen sich Hallenflächen also nicht vermieten, reißt das Löcher in die Kasse. Bei SPD und Grünen tut man so, als ob es sich nur um ein Problem des bürgerlichen Lagers handeln würde. "In diesem Jahr veranstaltet die SPD einen eintägigen Parteitag Ende September, das Interesse von Sponsoren sich dort zu präsentieren, besteht im üblichen Umfang", so Schatzmeisterin Barbara Hendricks zu unserer Zeitung. Es sei aber noch zu früh, eine abschließende Beurteilung vorzunehmen. In Berlin wird allerdings kolportiert, dass einige Parteigliederungen durchaus Absagen von Sponsoren für ihre Veranstaltungen kassiert haben. Auch die Grünen, die in Köln demnächst ihren Länderrat veranstalten, wollen von dem Thema nichts wissen. Bundesschatzmeister Dietmar Strehl betont: Das Treffen dauere nur vier bis fünf Stunden, "da lohnt sich für Firmen und andere Organisationen der Aufwand nicht, mit einem Stand präsent zu sein". Wahr ist aber auch: Inzwischen beäugen sich die Parteien gegenseitig, wer wen als Sponsor aufweisen kann. In der Hoffnung, daraus parteipolitisch Kapital schlagen zu können. Vorsicht ist deshalb geboten. Meinung

Öffentlichkeit ist alles

Von SZ-RedaktionsmitgliedGregor Haschnik Öffentlichkeit ist mehr denn je das beste Mittel gegen mögliche Einflussnahmen der Wirtschaft auf die Politik. Das zeigt der Absprung der Parteitagssponsoren. Ausschlaggebend für die Scheu ist vor allem die Beschleunigung der Kommunikation: Das Internet verbreitet Skandale sekundenschnell - und speichert sie auf ewig. In Zeiten, in denen Image fast alles ist, können sich weder Wirtschaft noch Politik einen echten Skandal erlauben, der niemals vergessen wird. Für die Kontrolle der Mächtigen ist dies ein Segen.