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Theologen fordern Ende des Zölibats

Theologen fordern Ende des Zölibats

Berlin/Saarbrücken. Nach den Erschütterungen des Missbrauchs-Skandals wird der Ruf nach Reformen in der katholischen Kirche lauter. Acht Monate vor dem Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. (Foto: afp) verlangen mehr als 150 Theologie-Professoren tiefgreifende Umwälzungen wie die Abschaffung des Zölibats

Berlin/Saarbrücken. Nach den Erschütterungen des Missbrauchs-Skandals wird der Ruf nach Reformen in der katholischen Kirche lauter. Acht Monate vor dem Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. (Foto: afp) verlangen mehr als 150 Theologie-Professoren tiefgreifende Umwälzungen wie die Abschaffung des Zölibats. Zudem sollten wegen des Priestermangels auch Frauen für das Amt zugelassen werden.Die Theologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen ferner mehr Mitsprache des Kirchenvolks etwa bei der Ernennung neuer Pfarrer oder Bischöfe. Außerdem fordern sie den Aufbau einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit, eine intensivere Gemeindearbeit sowie neue Ansätze bei der Gestaltung von Gottesdiensten. Einen derart breit gefassten Reform-Aufruf gab es in der katholischen Kirche seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" appellierte an die Bischöfe, die Reform-Rufe endlich aufzugreifen. "Es muss Schluss sein mit der Basta-Theologie", sagte Christian Weisner vom Bundesteam von "Wir sind Kirche". Gerade der Deutschland-Besuch des Papstes müsse dazu genutzt werden, kritische Fragen offen anzusprechen. Auch die katholischen Laien im Bistum Trier begrüßten das Memorandum. 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei das Thema Reformen "einfach dran", sagte Manfred Thesing, Vorsitzender des Katholikenrats im Bistum Trier, unserer Zeitung. Vor allem müsse man die Strukturen der Kirche auf den Prüfstand stellen und über die Mitbestimmung der Laien reden. "Für mich ist durchaus vorstellbar, manche Aufgaben auf Laien oder Ehrenamtliche zu übertragen", sagte Thesing. Die Frage des Zölibats hält er dagegen nicht für entscheidend.

Die Deutsche Bischofskonferenz signalisierte vorsichtige Gesprächsbereitschaft. Ihr Sekretär Hans Langendörfer wertete das Memorandum als "gutes Signal" dafür, dass sich die Theologen an Überlegungen zur Zukunft der Kirche beteiligen wollten. "Fehler und das Versagen der Vergangenheit" sollten ebenso wie die heutigen Reform-Erfordernisse "besprochen und anerkannt werden", heißt es in der Stellungnahme der Bischöfe. , A 4: Meinung dpa/jöw/dapd