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Terrorgruppe vermeldet Tod des saarländischen Gotteskriegers

Terrorgruppe vermeldet Tod des saarländischen Gotteskriegers

Saarbrücken. Selbst die Todesnachricht in eigener Sache wurde propagandistisch ausgeschlachtet. Die islamistische Terrorgruppe Taifatul Mansura "gratuliert den am 30. April gefallenen Brüdern aus Deutschland zu ihrem Märtyrertod" - diese Erklärung wurde in der Nacht zum Montag auf islamistischen Internetseiten verbreitet

Saarbrücken. Selbst die Todesnachricht in eigener Sache wurde propagandistisch ausgeschlachtet. Die islamistische Terrorgruppe Taifatul Mansura "gratuliert den am 30. April gefallenen Brüdern aus Deutschland zu ihrem Märtyrertod" - diese Erklärung wurde in der Nacht zum Montag auf islamistischen Internetseiten verbreitet. "Abdul Ghafar der Deutsche", wie der Saarländer Eric Breininger im Nachruf der Terrorgruppe heißt, sei zusammen mit einem Kampfgefährten bei Gefechten mit pakistanischen Soldaten in der Provinz Waziristan gestorben. Über den Verbleib des aus Neunkirchen stammenden 22-Jährigen rätselten die Ermittler seit Jahren.

Nach Medienberichten soll es sich bei dem zweiten Opfer um einen Deutsch-Türken aus Niedersachsen handeln, der eine Website militanter Islamisten geleitet hatte. Auch jener Ahmet M. ist im Saarland kein Unbekannter: Nach Informationen unserer Zeitung saß er vor Jahren im Saarland in Abschiebehaft - und begegnete dort "Mohammed dem Ägypter", der als Drahtzieher der Bombenanschläge auf Nahverkehrszüge in Madrid 2004 gilt.

Der Bundesverfassungsschutz bezeichnete die Erklärung der Terrorgruppe als "glaubhaft". Zwar könne man die Tötung Breiningers "nicht abschließend bestätigen", doch gehe das Amt davon aus, "dass es sich bei dieser Website tatsächlich um eine Quelle authentischer Erklärungen" der militant-islamistischen Organisation Taifatul Mansura handele, hieß es.

In Tarnjacke und mit einer Kalaschnikow bewaffnet war Breininger in den vergangenen zwei Jahren in mehreren Propaganda-Videos aufgetaucht. Zuletzt hatte er in einem Mitte April veröffentlichten Video mit Anschlägen auf amerikanische und afghanische Soldaten geprahlt. Der Terrorismus-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, hält Breininger für "keine zentrale Figur" in der Hierarchie der Gotteskrieger, er sei als "Propaganda-Instrument" genutzt worden. Der zweite angeblich Getötete sei wegen seiner Rolle bei der Nachwuchs-Rekrutierung die "eigentlich interessante und gefährliche Figur".

Breininger war Anfang 2007 zum Islam konvertiert. Er aß plötzlich kein Schweinefleisch mehr, brach den Kontakt zu Freunden ab und beschäftigte sich nur noch mit dem Koran. Zeitweilig lebte er mit dem späteren Sauerland-Terroristen Daniel Schneider in einer WG in Saarbrücken-Herrensohr zusammen - bis er im September 2007 in ein Terror-Camp reiste. Im Herbst 2008 versetzte die Meldung, Breininger könne auf dem Weg zurück nach Deutschland sein, die Sicherheitsbehörden in höchste Alarmbereitschaft. Die Hinweise bestätigten sich jedoch nicht. Die Bundesanwaltschaft ging gestern zunächst weiter davon aus, dass sich Breininger in Afghanistan oder Pakistan aufhält - falls er doch noch am Leben sein sollte. Der Haftbefehl jedenfalls bleibe erst einmal bestehen, hieß es in Karlsruhe.