Tausende Kinder gehen leer aus

In rund 1,6 Millionen Familien wachsen Kinder mit nur einem Elternteil auf, meist sind es alleinerziehende Mütter. Das ergaben Recherchen unserer Zeitung. Fast 40 Prozent von ihnen sind auf Hartz IV angewiesen, auch wegen verweigerter Unterhaltszahlungen durch Ex-Partner. In diesen Fällen springt der Staat mit einem sogenannten Unterhaltsvorschuss ein. Für Kinder bis fünf Jahre gibt es monatlich 145 Euro, ab sechs Jahre 194 Euro. Gewährt wird der Vorschuss allerdings nicht für Kinder ab zwölf Jahre und nur für maximal sechs Jahre.

Das kann Familien hart treffen: Fließt die Hilfe etwa von Geburt an, fällt sie just zur Einschulung weg, wenn mehr Kosten anfallen.

Die Linksfraktion im Bundestag hatte deshalb schon 2014 die Anhebung der Altersgrenze auf 18 Jahre sowie die Abschaffung der Befristung gefordert. Nach Daten der Bundesregierung, die Fraktionsvize Sabine Zimmermann angefordert hat und die unserer Zeitung vorliegen, verloren seit 2005 über 70 000 Kinder pro Jahr wegen der Beschränkungen im Gesetz den Unterhaltsanspruch . Die Befristungen "nehmen keinerlei Rücksicht auf die tatsächlichen Bedarfe der Betroffenen" und gehörten abgeschafft, sagte Zimmermann. Die SPD griff die Idee nun auf. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD ) will bis Mitte des Monats eine Gesetzesänderung vorlegen. Sie erwartet jährliche Mehrausgaben von 100 Millionen Euro.