SZ-Serie Windkraft : Stürmischer Windrad-Eifer

Künftig wird der Preis für Windstrom per Ausschreibung ermittelt. Das machte Beamten Stress am Jahresende. SZ-Serie, Teil 2.

Die Beamten des Landesamts für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) waren in den letzten Dezembertagen 2016 von einem für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Arbeitseifer gepackt. Sie genehmigten zwischen dem 28. und 30. Dezember noch vier Windparks mit insgesamt 18 Windrädern - und zwar in Perl (sechs), Bexbach/Ottweiler (fünf), Wadern (vier) und Lebach (drei).

Es sind richtige Kaventsmänner dabei. Die Nabenhöhen liegen zwischen 134 und 149 Metern, die Rotordurchmesser zwischen 115 und 131 Metern. Die Leistung pro Windmühle schwankt zwischen drei und 3,45 Megawatt (MW). Zwei Windparks (Perl und Ottweiler/Bexbach) zieht der Wörrstadter Projektbetreiber Juwi hoch. Den Antrag für Lebach hatte die Firma Montan-Wind aus dem Umfeld des Bergbau-Konzerns RAG gestellt. In Wadern will der Energiekonzern VSE tätig werden. Unbestätigten Informationen zufolge sollen Umweltminister Reinhold Jost und Staatssekretär Roland Krämer (beide SPD) kurz vor Silvester sogar höchstpersönlich vorbeigeschaut und sich bei den Beamten bedankt haben.

Der Arbeitseifer hatte seinen Grund. Denn die Novellierung des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG), die Anfang 2017 in Kraft trat, hat für die Windenergie an Land gravierende Auswirkungen. Die Zeiten vorher festgelegter und ohne Einschränkung gültiger Fördersätze pro Kilowattstunde (kWh) Strom, die 20 Jahre gelten, sind bald vorbei. In diesen Genuss kommen nur noch die Windräder, die bis Ende 2016 genehmigt wurden - daher die Eile - und bis Ultimo 2018 in Betrieb genommen werden, sowie kleinere Anlagen mit einer Leistung von maximal 0,75 MW. Alle anderen nehmen an einem neuen Ausschreibungsverfahren teil.

Allerdings müssen die großen Mühlen, die in der Zwischenzeit fertig werden, auch schon Abstriche in Kauf nehmen. So greift für sie von März bis August 2017 eine Sonder-Degression von 1,05 Prozent je Monat. Dadurch sinkt im Durchschnitt die Vergütung von 8,29 auf 7,87 Cent pro kWh. Sollten in der Übergangszeit bis zum Ausschreibungsverfahren mehr als 2500 MW ans Netz gehen, rutscht die Förderung von Oktober 2017 bis Ende 2018 quartalsweise noch weiter nach unten - und zwar um 2,4 Prozent je Vierteljahr, so dass sie Ende 2018 bei 6,97 Cent pro kWh liegt.

Für alle Windparks, die an dem neuen Verfahren teilnehmen müssen, gilt, dass von 2017 bis 2019 jeweils 2800 MW brutto von der Bundesnetzagentur ausgeschrieben werden, von 2020 an sind es 2900 Megawatt. Das sind etwa 1000 Windräder. Pro Ausschreibungsrunde können sich Betreiber mit einer oder mehreren neuen Anlagen bewerben. Dabei müssen sie angeben, welche Förderhöhe sie pro kWh verlangen. Den Zuschlag erhalten die Betreiber mit den geringsten Fördersummen. Die erste Ausschreibung hat die Bundesnetzagentur für den 1. Mai geplant. Unter den Hammer kommen dann 800 MW.

Damit auch Standorte mit geringerer Windstärke- und -häufigkeit (Windhöffigkeit) eine Chance haben, wird der Wert, der bei der Ausschreibung herausgekommen ist, mit einem Korrekturfaktor multipliziert. Je geringer die Windernte, umso höher ist dieser Faktor. Der dann ermittelte Wert gilt dann allerdings für 20 Jahre. Experten rechnen mit durchschnittlichen Zuschlagssummen, die zwischen sechs und sieben Cent pro kWh liegen.

Die norddeutschen Länder, wo häufiger eine steife Brise weht und wo sich heute schon so viele Windräder drehen, dass die Leitungsnetze an ihre Leistungsfähigkeit stoßen, müssen beim Ausbau künftig mit gebremstem Schaum fahren. Hier wird der Zubau auf 58 Prozent der Menge begrenzt, die im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2015 üblich war. Diese Einschränkung gilt für ganz Schleswig-Holstein, die Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie für Mecklenburg-Vorpommern und Teile Niedersachsens.

Im Saarland gibt es andere Widrigkeiten. Die Eilzulassungen des LUA am Jahresende sorgen in mindestens einem Fall für Ärger. Denn der Windpark Bexbach/Ottweiler mit seinen fünf Rädern sollte eigentlich nicht errichtet werden, weil das Areal in einer militärischen Übungszone lag. Die Bürgerinitiative gegen Windkraft in Lautenbach glaubt daher, dass es bei der Genehmigung, die jetzt doch erteilt wurde, nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Das Ministerium widerspricht. Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr habe die militärischen Übungsgebiete zwischenzeitlich neu zugeschnitten. Daher sei der Grund für die Ablehnung entfallen. Da sei nichts gemauschelt worden.