Studie: Lehrer in Deutschland sind zu alt

Studie: Lehrer in Deutschland sind zu alt

Berlin/Saarbrücken. Deutschlands Schulen droht ein massiver Lehrermangel: Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte sind über 50 Jahre alt. Das zeigt der jüngste Bericht "Bildung auf einen Blick", den die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) gestern vorlegte. In den weiterführenden Schulen gehen sogar 75 Prozent der Lehrer in absehbarer Zeit in Rente

Berlin/Saarbrücken. Deutschlands Schulen droht ein massiver Lehrermangel: Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte sind über 50 Jahre alt. Das zeigt der jüngste Bericht "Bildung auf einen Blick", den die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) gestern vorlegte. In den weiterführenden Schulen gehen sogar 75 Prozent der Lehrer in absehbarer Zeit in Rente.

Weit über dem Durchschnitt liegen auch die Gehälter der deutschen Lehrer. Besonders die Berufseinsteiger sind demnach mit mehr als 36 000 Euro im Jahr deutlich besser gestellt als in den übrigen 33 OECD-Mitgliedsländern, darunter 21 EU-Staaten. Dieser finanzielle Anreiz könne sich als Vorteil erweisen, wenn man junge Menschen für den Lehrberuf werben wolle, heißt es im Bericht.

Kritisch bewerten die Experten nach wie vor die Aufstiegs-Chancen durch Bildung: In Deutschland hat nach dem Bericht nur jeder Fünfte einen höheren Abschluss, als ihn Vater oder Mutter besitzen. 22 Prozent der jungen Menschen erreichen dagegen nicht das Bildungsniveau der Eltern. Damit steht Deutschland im weltweiten Vergleich weit hinten. Im Schnitt der OECD schaffen 37 Prozent der Jüngeren einen höheren Abschluss als ihre Eltern, nur 13 Prozent fallen dahinter zurück. OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger betonte, in allen Industrienationen gebe es einen Trend zu immer höherer Qualifikation. Dies gelte vor allem für naturwissenschaftliche und technische Berufe. Positiv hob sie hervor, dass in Deutschland als einzigem Land die Arbeitslosigkeit zwischen 2008 und 2010 quer durch alle Bildungsgruppen gesunken sei.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan kritisierte den OECD-Bericht. Er lasse "die außergewöhnliche Bedeutung" der Berufsausbildung in Deutschland außer Acht. Eine betriebliche Ausbildung sei nicht schlechter als ein Hochschulstudium, sagte Schavan. Dagegen kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Saarland, Barbara Spaniol, die fehlende Chancengerechtigkeit im Bildungssystem. Sie forderte unter anderem eine Anpassung der Bafög-Sätze an die Lebenshaltungskosten und die Hochschulzulassung für Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung. , A 4: Meinung dapd/dpa/red

Foto: dapd

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