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Studie: Deutsche profitieren vom Euro am meisten

Italien und Frankreich verlieren : Studie: Deutsche profitieren vom Euro am meisten

Ohne den Euro wäre der Wohlstand in Europa anders verteilt, haben Forscher herausgefunden. Vor allem Italien und Frankreich ginge es besser.

Vom Euro haben wirtschaftlich nur Deutschland, die Niederlande und minimal auch Griechenland profitiert. Alle anderen langjährige EU-Mitglieder haben teils massive Wachstumsverluste erlitten, seit die Gemeinschaftswährung vor 20 Jahren eingeführt wurde. Denn sie konnten ihre strukturellen Schwächen nicht mehr wie zuvor durch eine Abwertung eigener Währungen übertünchen. Das ist das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Studie des Centrums für Europäische Politik in Freiburg.

Demnach hat Deutschlands Wirtschaft zwischen 1999 und 2017 insgesamt 1,9 Billionen Euro mehr erwirtschaftet als sie ohne Euro erreicht hätte. Das sind 23 116 Euro pro Einwohner. Vor allem der Export profitierte: Niedrige Löhne, hohe Qualität und die Tatsache, dass der Euro gegenüber Dollar und Yen um rund 20 Prozent abwertete, machten „Made in Germany“ weltweit erschwinglich und begehrt. Der Vorteil war in den ersten zehn Jahren gering und entfaltete erst ab 2011 seine volle Wucht. Mit 21 003 Euro Wohlstandsgewinnen pro Kopf liegen die ähnlich wettbewerbsfähigen Niederlande knapp hinter Deutschland. Das Plus Griechenlands lag lediglich bei 190 Euro.

Italien hingegen musste der Studie zufolge Verluste von 4,3 Billionen Euro oder 73 605 Euro pro Person  hinnehmen. Die Zahlen dürften die regierenden Populisten und ihre Forderung nach einem Austritt aus dem Euro und der EU beflügeln.

Frankreich hat ebenfalls hohe Wohlstandsverluste von 3,6 Billionen Euro erlitten, 55 996 Euro je Bürger. Aus den gleichen Gründen wie Italien. Auch hier zeigt die Statistik eine sich stetig verschlechternde Entwicklung. „Um vom Euro zu profitierten, muss Frankreich den von Präsident Macron eingeschlagenen Reformweg konsequent weitergehen“, heißt es in der Studie. Genau darum tobt im Nachbarland der Streit mit den Gelbwesten.

Dass Reformen erfolgreich sein können, zeige Spanien, hieß es. Dort schließt sich die Schere wieder; das Land ist, wenn es so weiter macht, mit dem Euro bald wieder genauso erfolgreich, wie es mit einer abgewerteten Währung ohne Euro wäre. Im Moment gibt es noch ein geringes Minus von 5031 Euro für den Zeitraum seit 1999. Ähnlich in Belgien mit minus 6370 Euro pro Kopf, was ebenfalls fast ausgeglichen ist. Portugal hingegen scheint dauerhaft zurückzufallen.

Die Studie versucht die fiktive Frage zu beantworten, wie eine Entwicklung verlaufen wäre, wenn ein Land den Euro nicht eingeführt hätte. Die Messmethode dafür ist kompliziert, in der Wirtschaftswissenschaft aber nicht neu. Verglichen wird die reale Entwicklung des betreffenden Staates mit dem Bruttoinlandsprodukt von ähnlich strukturierten Ländern ohne Euro wie Japan und Australien. Diese werde dann nach einem bestimmten Schlüssel gewichtet, damit die Ähnlichkeit möglichst groß ist.