Steinmeiers großes Schweigen

Der Außenminister reist derzeit durch Vietnam. Ist es seine letzte Reise vor der Ausrufung zum Kandidaten fürs Präsidentenamt? Der Wunschnachfolger vieler Bürger schweigt. Aber bald gibt es von ihm ein neues Buch. Zufall?

Manchmal ist das mit diesen kommunistischen Ein-Parteien-Staaten gar nicht so schlimm. Zum Beispiel, wenn man gerade überhaupt keine Auskunft darüber geben will, ob man nun für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert oder nicht. Frank-Walter Steinmeier jedenfalls profitierte auf seiner Reise durch Vietnam davon, dass es in dem asiatischen Boom-Staat mit der Pressefreiheit weit her ist. Der vietnamesische Kollege - ein Mann namens Pham Binh Minh, durchaus mit einiger Erfahrung in der Welt - ließ beim gemeinsamen Termin in der Hauptstadt Hanoi keine einzige Frage zu. Mehr als diplomatische Floskeln gab es nicht.

Aber auch Steinmeier, nach allen Umfragen konstant der Lieblingskandidat der Bundesbürger für die Nachfolge von Joachim Gauck , hat mittlerweile ziemliche Routine darin entwickelt, solchen Fragen auszuweichen. Auf die bohrendsten Nachfragen hören Journalisten weder ein Ja noch ein Nein. Auch gestern in Ho-Chi-Minh-Stadt : "Sie müssen das kommentieren. Ich muss es nicht. Und dabei wollen wir es belassen."

Dem "Spiegel" zufolge sei er sich mit Parteichef Sigmar Gabriel schon einig, eine Kampfkandidatur gegen einen Unions-Kandidaten zu wagen. Er hätte sogar Aussichten, im dritten Wahlgang, wenn in der Bundesversammlung die einfache Mehrheit reicht, die entscheidenden Stimmen zu holen. Nicht mal Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht schließt aus, ihn zu wählen.

Die Entscheidung für eine Kandidatur dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Am Sonntag treffen sich die drei Parteivorsitzenden Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer . Das Treffen soll Klarheit bringen, ob sich die große Koalition auf einen Kandidaten einigen kann. Ohne Steinmeier übrigens. Bis dahin wird er sich die Optionen offen halten. Danach gibt es fürs Schweigen keinen Grund mehr.

Aus heutiger Sicht spricht einiges dafür, dass die SPD den Außenminister nächste Woche formell fürs Amt nominiert. Als Indiz dafür werten manche, dass Steinmeier ein neues Buch herausbringt, in dem er seine Amtszeit Revue passieren lässt - ganz staatsmännisch eben.

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