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Starkes Ost-West-Gefälle bei den Pflegeleistungen

Starkes Ost-West-Gefälle bei den Pflegeleistungen

Berlin. Der Platz in einem Pflegeheim kostet in Ostdeutschland monatlich etwa 900 Euro weniger als im Rheinland, pro Tag rund 30 Euro. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport im Auftrag der Gmünder Ersatzkassekasse hervor, der gestern in Berlin vorgestellt wurde. Der Studie zufolge kosten Heimplätze vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg überdurchschnittlich viel

Berlin. Der Platz in einem Pflegeheim kostet in Ostdeutschland monatlich etwa 900 Euro weniger als im Rheinland, pro Tag rund 30 Euro. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport im Auftrag der Gmünder Ersatzkassekasse hervor, der gestern in Berlin vorgestellt wurde. Der Studie zufolge kosten Heimplätze vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg überdurchschnittlich viel. Durchschnittlich ein Drittel weniger müssen Pflegebedürftige in den neuen Ländern zahlen: In Mecklenburg-Vorpommern rund 65 Euro, in NRW rund 90 Euro pro Tag. Im Saarland liegen die Sätze durchschnittlich bei 74 Euro (Stufe I), 90 Euro (II) und 108 Euro (III). Seit 1996 wurden nach Aussage von Jürgen Stenger, Geschäftsführer der Saarländischen Pflegegesellschaft, die von den Pflegekassen bezahlten Pflegestufen-Pauschalen nicht erhöht. Sie decken wie eine Art Teilkasko-Versicherung nur ein Teil der Heimkosten ab. Den Rest wird privat oder durch den Sozialhilfeträger finanziert. Die Vergütungen für ambulante Dienste weichen laut Studie ebenfalls stark voneinander ab. So liegt der Preis für das "Zubereiten einer warmen Mahlzeit" in Nordrhein-Westfalen bei 7,39 Euro, in Baden-Württemberg bei 20,90 Euro. Das morgendliche Waschen und Anziehen ist in Thüringen mit 15,75 Euro am billigsten. In Hessen zahlt man das Doppelte, 32,16 Euro. Eine plausible Erklärung für das Preisgefälle hat die Studie nicht parat. Auch Stenger (Saarländische Pflegegesellschaft) will nur "Vermutungen" äußern: Grundstückspreise, Baukosten. Personalkosten lägen in Ostdeutschland niedriger als im Westen. Sowohl die für alle Heime verhandelten Mindest-Sätze eines Landes würden dadurch kostengünstiger, aber auch der Aufschlag für Investitionen. Dass jeder zweite Bundesbürger vor seinem Tod zum Pflegefall wird, hatte bereits der Pflegereport 2008 festgestellt. Doch das Risiko, pflegebedürftig zu werden, nimmt ab. Zwischen den Jahren 2000 und 2008 sank es bei den Männern jährlich um 1 Prozent, bei den Frauen um 3,6 Prozent. Grund dafür sei der bessere Gesundheitszustand. ce/vet Produktion dieser Seite: Maria WimmerJörg Wingertszahn

HintergrundHeimpreise sind nicht frei kalkulierbar. Die in jedem Bundesland zwischen Heimträgern, Kassen und Sozialhilfeträgern (Kommunen) verhandelten Basis-Pflege-Sätze für Pflege/Betreuung/Unterkunft und Verpflegung gelten für alle Heime. Preisunterschiede ergeben sich durch andere Personalschlüssel und Investitionskosten. Denn Grundstückspreise oder bauliche Optimierungen werden auf den Tagessatz umgelegt. ce