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"Stählerne Mauer" verdeckt politische Schwäche Chinas

"Stählerne Mauer" verdeckt politische Schwäche Chinas

Peking. Es war eine waffenstarrende Geburtstagsfeier. Das "neue China" zeigt sich sowohl "revolutionär" wie früher, als auch stolz als moderne Militärmacht mit fortschrittlichen Waffensystemen. In bestem kommunistischen Propagandastil schwenken jubelnde Kinder und hübsche Frauen bunte Blumensträuße

Peking. Es war eine waffenstarrende Geburtstagsfeier. Das "neue China" zeigt sich sowohl "revolutionär" wie früher, als auch stolz als moderne Militärmacht mit fortschrittlichen Waffensystemen. In bestem kommunistischen Propagandastil schwenken jubelnde Kinder und hübsche Frauen bunte Blumensträuße. Mit stolzgeschwellter Brust und aufgepflanzten Bajonetten auf ihren Gewehren marschieren tausende Soldaten zackig an der kommunistischen Führung vorbei. Zig-Tausende Darsteller verwandeln den Platz des Himmlischen Friedens in Peking fein synchronisiert in ein rot-gelbes Farbenmeer, das der Volksrepublik zum 60. Jahrestag in riesigen Schriftzeichen wünscht, noch "zehntausend Jahre" alt zu werden.Die größte Waffenschau seiner Geschichte zeige, dass China eine neue "stählerne Große Mauer" geschaffen habe, wie Staatsmedien verkünden. Außer Raketen rollen moderne Panzer, Luftabwehrgeschütze, Stalinorgeln und Flugzeugdrohnen über die verbreiterte "Straße des Ewigen Friedens" vorbei am Tian'anmen-Platz. Vor 20 Jahren rollten hier die Panzer gegen das eigene Volk, zerschlugen am 4. Juni 1989 die friedliche Demokratiebewegung. Seither regieren in Peking die Hardliner, werden Reformer unterdrückt, die neben wirtschaftlicher Liberalisierung auch politische Lockerungen fordern. Die demonstrative Schau militärischer Stärke offenbart damit auch politische Schwäche, mit den wachsenden sozialen und ethnischen Spannungen wie überhaupt mit Andersdenkenden umzugehen. Es fehlt an Vertrauen ins eigene Volk, das zur Parade nicht einmal zugelassen war. So weltoffen sich China bei den Olympischen Spielen 2008 noch präsentiert hatte, so angestaubt und rückständig zeigte sich das kommunistische System zur Geburtstagsfeier. dpa