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Sony knickt vor Cyber-Kriminellen ein

Sony knickt vor Cyber-Kriminellen ein

Sony Pictures setzt den Film „The Interview“ über Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in den USA ab. Zuvor hat eine Hacker-Gruppe die Festplatten des US-Unternehmens geplündert und mit massiven Terror-Anschlagen gedroht. Der komplexe Kriminalfall wirft einige Fragen auf.



Worum geht es in dem Film?

Dave, gespielt von James Franco , ist Moderator der Fernsehshow "Skylark Tonight", in der Prominente ihre Geheimnisse enthüllen. Dann gelingt es Aaron, gespielt von Regisseur Seth Rogen, - Daves bestem Freund und Produzent der Sendung - ein Interview mit Kim Jong Un zu vereinbaren. Da hat der US-Geheimdienst CIA eine Idee: Warum bringen die Journalisten den Diktator bei der Gelegenheit nicht um?

Wie ernst ist der Film gemeint?

Der Diktator heißt nicht nur Kim Jong Un, er sieht auch so aus. Allerdings ist "The Interview" eindeutig eine Satire . Die Produzenten wissen um die politische Brisanz des Films - sie ließen ihn vorab vom Weißen Haus sichten.

Was ist bisher passiert?

Sicher ist, dass ein Hacker-Angriff im November das firmeninterne Netzwerk von Sony Pictures in weiten Teilen lahmlegte. Es ist das erste Mal, dass es Hackern gelang, praktisch den gesamten Datenschatz eines Unternehmens auszuheben - E-Mails, Personalakten, unveröffentlichte Filme und persönliche Informationen über Stars wie Angelina Jolie . Bisher ist unbekannt, wie genau das passieren konnte. Sony wurde durch die Attacke teilweise in das Zeitalter vor dem Computer zurückgeworfen, Mitarbeiter müssen mit Papier, Stift und Fax arbeiten. Außerdem gelangten Kopien mehrerer Kinofilme ins Internet die jetzt schon vielfach heruntergeladen wurden.

Wie hängt das alles zusammen?

Sony Pictures äußert sich fast gar nicht zu den Vorfällen. Stattdessen kursieren zahlreiche Gerüchte. Die Verantwortung für die Hackerattacke übernahm zwar die bisher nicht bekannte Gruppe "Guardians of Peace", doch schon früh war über Verbindungen zu Nordkorea spekuliert worden. Die "New York Times" berichtet nun unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter, Washington mache Nordkorea für den Datendiebstahl verantwortlich. Das ostasiatische Land weist dies zurück. Unklar ist ebenso, wer hinter den Terrordrohungen steckt, die unter anderem Kinobetreiber erhalten haben sollen. US-Präsident Barack Obama deutete an, die Drohungen seien unglaubwürdig.

Gibt es auch Hinweise auf mögliche andere Motive?

Ja. Die Angreifer versuchten zuerst, Geld zu erpressen, wie ausgerechnet aus den von den Hackern selbst im Internet veröffentlichten internen E-Mails hervorgeht. "Bezahlen Sie, oder Sony Pictures wird als Ganzes bombardiert", hieß es dort in etwas holperigem Englisch. Die Drohungen könnten also auch das Werk von Trittbrettfahrern oder ein Ablenkungsmanöver sein.

Wie regiert Nordkorea?

Tatsächlich soll das stalinistische Regime wenig erfreut sein über den Film. Staatliche Medien hatten berichtet, der Streifen schädige die Würde des Machthabers.

Was passiert nun?

Medienberichten zufolge hat Sony bereits das FBI eingeschaltet. Eigentlich soll "The Interview" im Januar in Australien und im Februar in Deutschland starten. Das steht nun in den Sternen.