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So gehen andere Länder mit der Atomkraft um

So gehen andere Länder mit der Atomkraft um

Österreich hat den Verzicht auf Atomkraft in der Verfassung verankert. Das einzige Kernkraftwerk des Landes in Zwentendorf ging nach einer Volksabstimmung nie in Betrieb. Die Schweiz produziert noch 40 Prozent ihres Stroms in fünf AKW, will aber langfristig aus der Atomkraft aussteigen. Nach Laufzeiten von 50 Jahren soll 2019 der erste Meiler vom Netz gehen, 2034 der letzte

Österreich hat den Verzicht auf Atomkraft in der Verfassung verankert. Das einzige Kernkraftwerk des Landes in Zwentendorf ging nach einer Volksabstimmung nie in Betrieb. Die Schweiz produziert noch 40 Prozent ihres Stroms in fünf AKW, will aber langfristig aus der Atomkraft aussteigen. Nach Laufzeiten von 50 Jahren soll 2019 der erste Meiler vom Netz gehen, 2034 der letzte.Frankreich als Europas Land mit den meisten AKW hält an der Atomkraft fest. Präsident Nicolas Sarkozy argumentiert, die 58 AKW in seinem Land seien sicherer als andere Kernkraftwerke.

Italien hat seit Jahrzehnten keine Atomkraftwerke. Nach der Katastrophe von Tschernobyl entschieden sich die Bürger 1987 in einem Referendum für den Ausstieg. Vor zwei Jahren kündigte Regierungschef Silvio Berlusconi an, wieder in die Kernkraft investieren zu wollen, legte sein Vorhaben nach dem Gau von Fukushima aber auf Eis. Jetzt sprachen sich rund 94,5 Prozent der Italiener in einem weiteren Referendum gegen neue Meiler aus.

Polen: Warschau will am geplanten Atom-Einstieg festhalten. Das Programm sei "unverzichtbar", um die Stromversorgung in den kommenden Jahrzehnten zu sichern, erklärte die Regierung im März. Derzeit gibt es in Polen kein Atomkraftwerk, 94 Prozent des Stroms werden in Kohlekraftwerken produziert. Geplant sind bis zu sechs weitere Atomkraftwerke.

Russland will bis 2030 insgesamt 24 Atomreaktoren bauen. Bisher gibt es 32 Blöcke. Das Land wirbt beim weltweiten Reaktorverkauf mit höchsten Sicherheitsstandards.

In Spanien verfolgt die Regierung seit Jahren die Linie eines schrittweisen Atomausstiegs. Es sollen keine neuen AKW gebaut und die bestehenden nach 40 Jahren Betriebszeit abgeschaltet werden.

In Großbritannien gibt es keine breite öffentliche Atom-Debatte. Nach Fukushima ordnete Premier David Cameron eine Überprüfung der 19 Meiler an.

Belgien: Atomkraft ist mit 55 Prozent die Hauptquelle für Strom. 2003 wurde beschlossen, 2015 mit dem Ausstieg zu beginnen.

In Finnland sollte die Zahl der Atomreaktoren von derzeit vier auf acht verdoppelt werden. Der fünfte wird schon gebaut, und auch an dem geplanten sechsten und siebten Meiler hält Helsinki fest. Der noch nicht beschlossene achte wird aber möglicherweise gestrichen.

Schweden hat keine konkreten Neubaupläne. Weiter gilt aber, dass bei Stilllegung eines der derzeit zehn Reaktoren als Ersatz ein neuer gebaut werden kann.

Japan: Vor der Fukushima-Katastrophe wollte Japan den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung von 30 auf 50 Prozent bis 2030 erhöhen. Danach wurden zwar mehrere Reaktoren wegen akuter Erdbebengefahr abgeschaltet. Sie sollen aber wieder ans Netz, sobald ihre Sicherheitssysteme nachgerüstet sind.

China: Trotz der Vorfälle in Japan will China den Ausbau der Atomenergie vorantreiben. 27 Reaktoren befinden sich im Bau, 50 weitere sind in Planung. dpa/afp