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Siegel und Barcode: Neues System gegen Medikamenten-Fälschungen startet

EU-weites System : Europas Rezept gegen Medikamenten-Fälscher

In der EU startet ein System, das die Echtheit verschreibungspflichtiger Arznei garantieren soll. Geprüft wird in der Apotheke.

In der EU startet diesen Samstag ein System, das Apotheken-Kunden vor gefälschten Medikamenten schützt. Das Europäische System zur Überprüfung der Echtheit von Medikamenten (EMVS) ist weltweit einmalig, zumal es länderübergreifend arbeitet. Die Fakten:

Wie funktioniert das System?

Alle Apotheken in der EU wurden mit Scannern ausgerüstet. Alle Medikamente-Packungen sind künftig mit einem Aufkleber, einer Seriennummer und einem Barcode versehen. Dieser gilt als fälschungssicher. Bevor ein Medikament über den Tresen geht, muss der Apotheker den Barcode scannen. Wenn das Präparat nicht registriert ist, ist dies ein Hinweis auf eine Fälschung. Der Fall würde dann von der zuständigen Prüforganisation weiterverfolgt.

Wann ist die Echtheit garantiert?

Das System arbeitet EU-weit, auch die Schweiz und Norwegen sind einbezogen. Das System ist Pflicht für alle verschreibungspflichtigen Medikamente. Auf allen legalen Vertriebswegen von Medikamenten in der EU gewährt das System damit Schutz: also beim Kauf in Internet-Apotheken sowie bei der Abgabe in allen stationären Apotheken sowie Krankenhausapotheken. Es greift auch bei Ärzten, die Medikamente herausgeben dürfen. Damit eine lückenlose Kontrolle gewährleistet ist, sind 2000 Pharma-Hersteller, 6000 Großhändler, 140 000 Apotheken, 5000 Krankenhausapotheken sowie 2000 niedergelassene Ärzte in das Kontrollsystem eingebunden.

Was ist nicht geschützt?

Keinen Schutz haben Verbraucher, wenn sie auf dem Schwarzmarkt Medikamente beziehen. Wer über dubiose Adressen im Internet und bei Onlinehändlern mit Sitz außer­halb der EU Medikamente kauft, läuft Gefahr, betrogen zu werden.

Macht die ganze EU mit?

In Italien und Griechenland wird das System erst später starten. Italien, Griechenland und Belgien sind die drei Länder in der EU, die bereits über ein Kontrollsystem zum Schutz gegen gefälschte Medikamente verfügen. Sie müssen erst nach einer Übergangsphase von sechs Jahren mitmachen. Belgien hat sich aber entschieden, gleich dabei zu sein.

Wie kam es zur Einführung?

Die EU hat 2011 eine Richtlinie zum Schutz gegen gefälschte Arzneimittel verabschiedet. Damit war klar, dass ein System zum Fälschungsschutz aufgebaut werden muss. Dann haben Pharma-Industrie und Apotheken 2015 die Europäische Organisation zur Überprüfung der Echtheit von Medikamenten gegründet. EMVO-Chef Hugh Pullen hebt hervor: „Die einzigartige Zusammenarbeit auf der gesamten Vertriebskette, also von Herstellern über den Großhandel bis zur Apotheke, ist die Voraussetzung für das Funktionieren unseres Systems.“

Wer trägt die Kosten?

Der Aufbau des Systems hat rund 100 Millionen Euro gekostet. Die Entwicklungskosten wurden von der Pharmaindustrie und den Importeuren bezahlt. Großhändler und Apotheken zahlen für die Scanner und den Betrieb. Steuergelder sind nicht geflossen, wie die Betreiber betonen.

Was weiß man über gefälschte Medikamente?

Die meisten gefälschten Medikamente tauchen in Afrika, Asien und Lateinamerika auf. Doch auch in Europa sind Patienten davor nicht sicher. So haben die Behörden in der EU zwischen 2013 und 2017 rund 400 gefälschte Medizin-Produkte und Medikamente registriert, die hier in den Verkehr gebracht werden sollten. Am häufigsten gelangen gefälschte Medikamente über illegale Internetverkäufe nach Europa. Aber auch auf den legalen Vertriebswegen, also über lizensierte Online-Apotheken, Apotheken in Kliniken oder niedergelassene Apotheken, wurden bereits gefälschte Medikamente entdeckt. Die EU-Kommission schätzt, dass 0,005 Prozent der Medikamentenpackungen, die über die legalen Vertriebswege in der EU verkauft werden, gefälscht sind. Vielfach werden gefälschte Präparate außerhalb der EU hergestellt. Massenware wie etwa Viagra oder Aspirin ist betroffen. Es wurden aber auch gefälschte Mittel sichergestellt, die bei gravierenden Erkrankungen wie etwa Schizophrenie oder Herzschädigungen helfen sollen. Gefälschte Medikamente können gar keine Wirkstoffe oder zu wenige Wirkstoffe enthalten. Möglich ist auch, dass sie gefährliche Wirkstoffe enthalten. Es ist nicht bekannt, wie viele Patienten in der EU durch gefälschte Medikamente geschädigt werden.