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Sexismus-Debatte zieht weiter Kreise in der CDU

Sexismus-Debatte zieht weiter Kreise in der CDU

Nur fünf Tage nach der Wahlschlappe setzen Sexismus-Vorwürfe der männerdominierten Berliner CDU weiter zu. Unterdessen gerät auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber in den Fokus der Debatte.

Insider sind fassungslos. Die Schlammschlacht mit Anschuldigungen und intimen Vorwürfen, die nach der Sexismus-Kritik der Berliner CDU-Mitglieds Jenna Behrends losbrach, sucht selbst in dem an Intrigen reichen Landesverband ihresgleichen. Die frischgebackene Kommunalpolitikerin hatte sich online gegen böses Getuschel gewehrt, sie schlafe sich für ihre Karriere durch Affären mit CDU-Politikern hoch. Auch die Titulierung durch einen Senator als "süße große Maus" fällt für die 26-Jährige in die Kategorie Sexismus .

Nur eine Woche nach dem desaströsen Ergebnis der CDU bei der Berlin-Wahl mit 17,6 Prozent und dem Verlust der Regierungsmacht steht die Hauptstadt-Union vor einem Scherbenhaufen. Das umstrittene Zitat ordnen Medien und später auch Behrends dem CDU-Chef und Innensenator Frank Henkel zu. Der durch das schlechteste Ergebnis der Berliner CDU seit 60 Jahren angeschlagene Henkel ist ohnehin nur noch Parteivorsitzender auf Abruf. Nun könnte seine Ablösung noch viel schneller gehen.

Der Imageschaden für die Hauptstadt-Union ist immens - auch wenn Bundespolitiker dies gestern abstritten. Um den Schaden zu begrenzen, verpflichteten sich die Beteiligten am Montagabend zu öffentlichem Stillschweigen. Eine Krisenrunde beschloss, das wichtige Thema Sexismus , das niemand bis zur Bundesspitze in der Partei bestreitet, solle künftig nur noch parteiintern debattiert werden. Ausgerechnet die Vorsitzende der Frauen-Union in Behrends CDU-Kreisverband Mitte, Sandra Cegla, und Mitstreiterin Zana Ramadani warfen Behrends in einer Pressemitteilung vor, sie habe selbst die Gerüchte um Affären - zum Beispiel mit CDU-Bundes-Generalsekretär Peter Tauber - gestreut. Später habe sie das öffentlich abgestritten. Tauber unterstützte das Anliegen von Behrends in der Sexismus-Diskussion. "Wir brauchen eine größere Sensibilität in allen Bereichen der Gesellschaft, denn Sexismus ist nicht nur ein Problem in der Politik", sagte er der "Bild am Sonntag". Das Verhältnis zu Behrends beschrieb Tauber so: "Jenna Behrends und ich haben uns kennengelernt und auch geflirtet. Aber es war für mich recht schnell klar, dass es rein freundschaftlich bleibt."

Ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zitierte gestern aus einem E-Mail-Austausch Taubers mit männlichen Parteifreunden aus dem 2012, in dem es um die Neubesetzung des Postens der Vorsitzenden der Frauen-Union geht. In Antworten auf eine E-Mail Taubers wird eine mögliche Kandidatin als "pseudoengagiert" bezeichnet, einer anderen wird bescheinigt: "Rein optisch wäre sie ein Gewinn." In seiner Reaktion distanzierte sich Tauber dem Bericht zufolge nicht von der Wortwahl seiner CDU-Kollegen.