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"Senioren müssen sich ihre Wohnform aussuchen können"

"Senioren müssen sich ihre Wohnform aussuchen können"

Herr Fussek, was halten Sie von Daniel Bahrs Plan, Senioren-WGs zu fördern?Fussek: Die Idee ist zu begrüßen, aber nichts Neues. Es gibt bereits alternative Wohnangebote für Senioren, aber leider immer noch nicht flächendeckend. WGs allein werden das Pflege-Problem jedoch ohnehin nicht lösen

Herr Fussek, was halten Sie von Daniel Bahrs Plan, Senioren-WGs zu fördern?Fussek: Die Idee ist zu begrüßen, aber nichts Neues. Es gibt bereits alternative Wohnangebote für Senioren, aber leider immer noch nicht flächendeckend. WGs allein werden das Pflege-Problem jedoch ohnehin nicht lösen. Eine WG ist für viele ältere Menschen nicht die richtige Wohnform - sei es, weil sie sich nicht in eine Gemeinschaft integrieren wollen oder weil sie auf intensive Pflege angewiesen sind. Senioren müssen sich ihre Wohnform aussuchen können.

Welche Vorteile kann eine Senioren-WG jemandem bieten, der dafür geeignet ist?

Fussek: Ältere können dort selbstbestimmt leben und gleichzeitig der Einsamkeit entfliehen, etwa indem sie mit Mitbewohnern kochen. In einer gemütlichen Wohnung, die sie selbst eingerichtet haben. Außerdem können WGs pflegende Angehörige entlasten - und die Arbeitszufriedenheit von Pflegern erhöhen. Diese müssen in einer WG nicht wie am Fließband arbeiten, sondern können auf die individuellen Bedürfnisse der Senioren eingehen. Allerdings gibt es auch WGs, in denen die Bewohner überfordert sind, weil die Pflegedienste sie schlecht versorgen. Unabhängig von der Wohnform steht und fällt die Lebensqualität von Senioren mit den Menschen, die sich um sie kümmern.

Was muss Ihrer Meinung nach getan werden, damit Menschen in Würde altern können?

Fussek: Wir brauchen ein Umdenken: Die Menschen vor Ort - die Städte, Bürgerinitiativen, Nachbarn, Bekannten - müssen Verantwortung für ihre Senioren übernehmen und sich kümmern. Wir müssen flächendeckend verschiedene Betreuungsangebote - nicht zuletzt in der Tagespflege - schaffen, um den Betroffenen Wahlfreiheit zu ermöglichen. Außerdem müssen wir die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf verbessern. Und wir müssen unsere Pflegeheime so umgestalten, dass wir die Wünsche nach Wohngruppen oder Einzelzimmern erfüllen können.Foto: Schindler/dpa