Selbst Experten rätseln über Benzinpreis

Saarbrücken. Auf eines kann man sich wirklich verlassen: Kurz vor Ostern steigen die Benzinpreise. Und tatsächlich, aktuell sind sie so hoch wie schon lange nicht mehr. Besonders Saarbrücker Autofahrer dürften sich ärgern. Nach Angaben des ADAC in München zahlen sie bundesweit am meisten für Super (1,468 Euro) und Diesel (1,239 Euro). Warum, wissen selbst Experten nicht

 So unterschiedlich fallen derzeit die Benzinpreise in der Region aus, hier Beispiele aus Überherrn, Creutzwald und Schengen (v.l.). Fotos: rup

So unterschiedlich fallen derzeit die Benzinpreise in der Region aus, hier Beispiele aus Überherrn, Creutzwald und Schengen (v.l.). Fotos: rup

Saarbrücken. Auf eines kann man sich wirklich verlassen: Kurz vor Ostern steigen die Benzinpreise. Und tatsächlich, aktuell sind sie so hoch wie schon lange nicht mehr. Besonders Saarbrücker Autofahrer dürften sich ärgern. Nach Angaben des ADAC in München zahlen sie bundesweit am meisten für Super (1,468 Euro) und Diesel (1,239 Euro).

Warum, wissen selbst Experten nicht. Wolfgang Steichele von der Verkehrsabteilung des ADAC in München sagt: "Wir stellen allgemein in Deutschland einen extrem überhöhten Preis fest." Warum gerade Saarbrücken trotz der Nähe zu Luxemburg mit deutlich niedrigeren Preisen so betroffen ist, kann er sich auch nicht erklären. Zudem gebe es selbst auf lokaler Ebene enorme Preisschwankungen. In einer Münchner Vorortstraße habe der ADAC an den Tankstellen Preisunterschiede von bis zu elf Cent festgestellt. Nachvollziehen könne er das aber nicht. Auch die Höchstpreise in Saarbrücken verwundern ihn. "Angesichts der Nähe zu Luxemburg, wo die Preise viel niedriger sind, müsste der saarländische Markt regulierter sein", findet Steichele.

Den aktuellen Preisanstieg erklärt der Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg mit der großen Nachfrage - speziell nach Benzin - in Rotterdam. Vor allem die USA kaufen dort kräftig nach, um ihren Bedarf zu decken. Den Vorwurf der Preistreiberei durch Mineralölfirmen weist ein Verbandssprecher entschieden zurück: "Wir haben einen knallharten Wettbewerb. Keine Tankstelle kann sich erlauben, auch nur einen Cent mehr zu nehmen als der Nachbar." Da werde "kein Krümel" zu viel an den Zapfsäulen verlangt.

Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst in Hamburg macht globale Gründe für das allgemein hohe Preisniveau verantwortlich. "Benzin ist ein Saisonprodukt", sagt Wiek, "der Winter ist vorbei, und wie jedes Frühjahr steigen auch diesmal in Rotterdam die Preise, weil die Nachfrage größer ist." Und das schlägt sich auch auf dem deutschen Markt nieder. "Die Preise werden in Rotterdam im Großhandel gemacht, davon abkoppeln kann man sich nicht", sagt Wiek. Dass die Mineralölkonzerne die Kunden abzocken, glaubt er aber eher nicht. "Die Konzerne haben in der Vergangenheit gut verdient, an der Zapfsäule aber eher nicht."

Einen Hauptgrund für die aktuelle Preisentwicklung sieht auch er in der großen Nachfrage aus den USA. Die gehe darauf zurück, dass es in den USA zu wenig Raffinerien und Reserven gebe. Zum Vergleich: "Der ganze Importbedarf der USA an Benzin ist deutlich größer als der gesamte deutschen Benzinbedarf in einem Jahr", sagt Wiek. Warum das allgemeine Preisniveau derzeit so hoch ist, kann auch der Fachmann vom Energie Informationsdienst nicht erklären. "Sie werden keinen Experten finden, der Ihnen sagt, warum das so ist."

Dem Verbraucher bleibe nichts anderes übrig, als ständig die Preisentwicklung zu beobachten und sich die günstigste Tankstelle auszusuchen. Einen anderen Tipp hat er eben nicht.

HINTERGRUND

In Luxemburg setzt das Wirtschaftsministerium Höchstpreise für Benzin, Diesel, Heizöl und Flüssiggase fest. Die Preisgrenzen richten sich unter anderem nach den Rohölpreisen an der Rotterdamer Börse. Die Mineralölgesellschaften und der Staat handeln alle ein bis zwei Jahre einen Vertrag aus, in dem beide Seiten auch die Gewinnmargen der Konzerne festlegen. Sinken die Preise an der Börse, sinkt auch die staatliche Preisobergrenze - und umgekehrt. kir

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