Schwitzen und Plantschen für Europa

Brüssel. Abstimmungen und Ausschusssitzungen sind anstrengend. Da dürstet es den Europa-Abgeordneten nach körperlicher Entspannung. Die soll er haben: Das bereits bestehende Fitness-Studio (1375 Quadratmeter groß) im Brüsseler Parlamentsgebäude steht zur Renovierung an. Außerdem sind eine völlig neue Aqua-Welt mit Wellness-Bereich (900 Quadratmeter) und Massage-Liegen geplant

 Schon seit Monaten sorgen die Pläne, im EU-Parlament ein neues Fitness-Studio einzurichten, für Ärger. Foto: colourbox

Schon seit Monaten sorgen die Pläne, im EU-Parlament ein neues Fitness-Studio einzurichten, für Ärger. Foto: colourbox

Brüssel. Abstimmungen und Ausschusssitzungen sind anstrengend. Da dürstet es den Europa-Abgeordneten nach körperlicher Entspannung. Die soll er haben: Das bereits bestehende Fitness-Studio (1375 Quadratmeter groß) im Brüsseler Parlamentsgebäude steht zur Renovierung an. Außerdem sind eine völlig neue Aqua-Welt mit Wellness-Bereich (900 Quadratmeter) und Massage-Liegen geplant. Kostenpunkt: 9,2 Millionen Euro.

"Stillos" und eine "politisch völlig unsensible Zumutung für den Steuerzahler vier Monate vor der Europawahl", schimpft die CDU-Politikerin Ingrid Gräßle das Vorhaben, über das am gestrigen Abend das Parlamentspräsidium zu beraten hatte. Präsident Hans-Gert Pöttering, selbst fitnessbegeisterter Skifahrer, wollte sich vorab nicht äußern, wie er in der Frage taktiert.

Schon seit Monaten sorgt das Vorhaben aus der Feder von Parlaments-Vizepräsident Gerard Onesta für Ärger. Dem Grünen-Politiker, der im Zivilberuf als Architekt tätig ist und mutmaßlich nicht wiedergewählt wird, halten Kollegen vor, sich ein Denkmal setzen zu wollen. Auch der Beschluss, den Betrieb der parlamentarischen "Mucki-Bude" einem privaten Betreiber zu übertragen, kann die Gegner nicht besänftigen. Der CSU-Abgeordnete Markus Ferber: "Es ist nicht Aufgabe des europäischen Steuerzahlers, eine Wellness-Oase für einen Pächter zu bauen."

Außerdem sei der Plan, die entspannenden Räumlichkeiten am Wochenende für den privaten und zahlenden Erholungssuchenden zu öffnen, aus Sicherheitsgründen "absurd". Abgesehen davon gebe es in der unmittelbaren Umgebung der Parlamentsgebäude fünf andere Fitness-Studios.

Doch die Relax-Zone für europamüde Politiker erzürnt die Haushaltskontrolleure noch aus einem anderen Grund. Die Kommission will das Projekt mit 1,5 Millionen Euro bezuschussen. Die aber stammen, so Gräßle, von Konten außerhalb des offiziellen Etats. 2002 hatte die Kommission einen eigenen Supermarkt namens Economat betrieben und dessen Einnahmen auf separaten Konten angelegt, die trotz mehrfacher Mahnungen bis heute nicht in den regulären Haushalt überführt wurden. Nun sollen sich die Abgeordneten darin baden und sich beim fraktionsübergreifenden Plantschen im Pool von dem harten Ringen über europäische Maßnahmen zum Beispiel gegen Übergewicht erholen.

 Schon seit Monaten sorgen die Pläne, im EU-Parlament ein neues Fitness-Studio einzurichten, für Ärger. Foto: colourbox

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