Schrumpfkur für die Saar-Uni

An der Saar-Universität stehen tiefgreifende Veränderungen an – jedenfalls wenn es nach dem Willen des Wissenschaftsrates geht. Sein gestern bekannt gewordener Entwurf zur Neustrukturierung der Hochschullandschaft empfiehlt, ganze Fachrichtungen einzustampfen.

Saarbrücken. Bis jetzt ist es nur ein Entwurf. Doch die Vorschläge der Gutachterkommission des Wissenschaftsrats zur Struktur der saarländischen Hochschullandschaft haben es in sich. Das mehrere Hundert Seiten starke Papier, das heute Nachmittag in Berlin von der Vollversammlung des wichtigsten Ratgebers in Sachen Hochschulentwicklung abschließend beraten wird, schlägt eine tiefgreifende Reorganisation der Saar-Universität vor. Die Hochschule, die in den kommenden Jahren mit einem nominell um gut sechs Prozent schrumpfenden Landeszuschuss auskommen müsse, solle ganze Fachbereiche und Fakultäten aufgeben, um ihre akademischen Schwerpunkte erhalten oder ausbauen zu können. "Akuten Handlungsbedarf" sieht das Gutachtergremium vor allem bei der Zusammenarbeit von Universität und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Obwohl beide insgesamt als sehr leistungsfähig eingestuft werden, gebe es "große Defizite bei der Kooperation in Forschung, Lehre und Verwaltung".

Drei Arbeitsgruppen des Wissenschaftsrats hatten 2013 im Auftrag der Landesregierung den Saarbrücker und den Homburger Campus der Saar-Uni und die HTW unter die Lupe genommen. Ihre Gutachten, die in ihrer endgültigen Fassung heute Nachmittag vorliegen werden, enthalten neben der Anregung, im Saarland künftig auf eine umfassende akademische Grundversorgung zu verzichten, zahlreiche Vorschläge, die bis hinab auf die Ebene einzelner Studiengänge reichen.

Besonders betroffen an der Saar-Universität ist die Fakultät Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Die Experten des Wissenschaftsrats empfehlen, bei den juristischen Staatsexamens-Studiengängen entweder mit einer anderen Universität der Großregion zu kooperieren oder die Studiengänge weitgehend einzustellen. Völlig neu sollen die Wirtschaftswissenschaften organisiert werden. Hier raten die Gutachter zum Aufbau einer Business-School Saarland, deren Masterstudiengänge gemeinsam von der Universität und der HTW organisiert werden sollen. Die Bachelorausbildung an der Saar-Universität solle eingestellt werden. Dabei seien insgesamt erhebliche Einsparungen möglich, da die wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung an beiden Hochschulen rund 13 Millionen Euro im Jahr kostet.

Kooperation lautet der Vorschlag auch bei den Lehramtsstudiengängen der Uni. Die Landesregierung wird aufgefordert sich "im Rahmen politischer Handlungsprozesse mit benachbarten Ländern abzustimmen" und zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Rheinland-Pfalz zu vertiefen. Der Leitung der Saar-Uni wird die Aufgabe zugeschrieben, die Vielfalt hochspezialisierter Studiengänge in den Geisteswissenschaften, die zum Teil nur von sehr wenigen Professoren angeboten werden, zu reduzieren.

Der Entwurf des Gutachtens enthält nicht nur Kürzungsvorschläge, sondern auch viele Anregungen für neue akademische Strukturen, deren Aufbau Geld kosten wird. Dazu gehören sogenannte Kooperationsplattformen, die Uni und HTW gemeinsam aufbauen sollen. Die Plattform "Mechatronik und Automatisierung" könne auf dem gleichnamigen Zentrum aufbauen, das Uni und HTW bereits gemeinsam betreiben. Außerdem schlagen die Gutachter eine Kooperationsplattform Gesundheit vor, bei der die Universitätsmedizin und die HTW zusammenarbeiten sollen.

Ab heute wird das Gutachten des Wissenschaftsrates nicht nur am Campus Center der Saar-Uni für Gesprächsstoff sorgen. Foto: bub. Foto: bub

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HintergrundDie Landeszuwendung für die Saar-Uni beträgt 2014 rund 184 Millionen Euro. Ab 2015 bis 2020 wird der Haushalt auf jährlich 179 Millionen Euro festgeschrieben. Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ist mit 5061 Studenten die größte der acht Fakultäten der Hochschule. Insgesamt sind 18 100 Studenten immatrikuliert. Die Saar-Uni ist einer der größten Arbeitgeber des Landes. Derzeit sind hier 284 Professoren, 1729 wissenschaftliche Mitarbeiter, 1515 studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte sowie 1527 Verwaltungsmitarbeiter beschäftigt. red

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