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Schröder im Gottesstaat Iran - Privatbesuch wird zum Politikum

Schröder im Gottesstaat Iran - Privatbesuch wird zum Politikum

Teheran. Altkanzler Gerhard Schröder sollte eigentlich nur als Gast des iranischen Neurochirurgen Madschid Samii, einem alten Bekannten aus Hannover, Teheran besuchen, eine wissenschaftliche Stiftung eröffnen, den Grundstein für eine neurologische Klinik in der Stadt Rascht legen, die historische Stadt Isfahan anschauen und dann wieder nach Hause fliegen

Teheran. Altkanzler Gerhard Schröder sollte eigentlich nur als Gast des iranischen Neurochirurgen Madschid Samii, einem alten Bekannten aus Hannover, Teheran besuchen, eine wissenschaftliche Stiftung eröffnen, den Grundstein für eine neurologische Klinik in der Stadt Rascht legen, die historische Stadt Isfahan anschauen und dann wieder nach Hause fliegen. Der Besuch wurde jedoch zu einem Politikum, das für viel Aufsehen in Teheran, aber auch in Berlin sorgte. Denn an nur einem Tag traf Schröder fast die gesamte politische Elite des Landes, einschließlich Präsident Mahmud Ahmadinedschad und dessen Herausforderer Mohammad Chatami.

"Es ist ja klar, dass eine so politische Persönlichkeit wie Herr Schröder auch bei einem Privatbesuch politische Gespräche nicht umgehen kann", sagte Irans Botschafter in Berlin, Ali Resa Scheich Attar. Obwohl Schröders Büro die Reise nach Teheran im Voraus als unpolitisch darzustellen versuchte, wollte keiner dies so recht glauben. Denn schon vor seiner Ankunft waren alle Termine akribisch vorbereitet worden.

Für die Presse in Teheran war Schröder von vornherein der Gesandte des neuen US-Präsidenten Barack Obama oder zumindest im Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Iran. All die Bemühungen des Altkanzlers, dies zu dementieren, führten nur zu mehr Spekulationen über eine geheime Mission, besonders weil auch von iranischer Seite der Besuch als ein Signal für eine Verbesserung der Beziehungen zu Deutschland und zum Westen insgesamt exponiert wurde.

Das Treffen mit Ahmadinedschad drohte Gerüchten zufolge zu platzen. Hintergrund war die Rede Schröders zuvor in der iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran. Dort hatte er den Präsidenten für dessen israel-feindliche Bemerkungen und die Leugnung des Holocausts kritisiert. "Der Holocaust ist eine historische Tatsache, und es macht keinen Sinn, dieses einmalige Verbrechen zu leugnen." Die iranische Seite konterte mit der Forderung an Schröder und den Westen, den Konflikt im Nahen Osten nicht mit zweierlei Maß zu messen und auch die israelischen "Aggressionen", wie die jüngsten Militärangriffe im Gazastreifen, zu verurteilen. Das Treffen fand zwar letztendlich statt, aber in einer eher kühlen Atmosphäre.

Ganz anders war das Treffen Schröders mit Ahmadinedschads Herausforderer bei den Wahlen am 12. Juni, Mohammad Chatami. Es wurde sogar kurz Deutsch gesprochen - Chatami war vor der islamischen Revolution von 1979 Leiter der islamischen Moschee in Hamburg.

Schröder sagte zu Beginn seines Besuchs, er habe zwar "keinen Auftrag, aber Hoffnung". Er appellierte an Teheran, die "ausgestreckte Hand" der Obama-Regierung anzunehmen, um eine neue Ära in den Beziehungen zum Westen beginnen zu können. Am Ende seiner Reise bemerkte er in dieser Hinsicht "zwar Bereitschaft", aber "nicht so wie gewünscht".