„Schlimmer als Saddam“

Als sich die Sonne über der irakischen Wüste senkt, fasst der Kurden-Kommandeur Abdulrahman Kawiri seine Motivation in einem Satz zusammen. Die Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS) sei "schlimmer als Saddam", sagt Kawiri und zieht an seiner Zigarette.

Saddam Hussein , der langjährige Machthaber des Irak, hatte die Autonomiebestrebungen der irakischen Kurden in den 80er Jahren mit einer regelrechten Ausmerzungskampagne beantwortet. Zehntausende Kurden wurden getötet, viele davon mit Giftgas. Doch die radikalsunnitischen IS-Kämpfer, die seit Wochen weite Teile des Nordirak kontrollieren, findet Kawiri noch schlimmer als den toten Diktator. Kawiri und seine Peschmerga-Soldaten stehen nur wenige dutzend Meter von der nächsten IS-Stellung entfernt. "Sie stiften Terror und Chaos, um die Bevölkerung zu verjagen. Dann übernehmen sie", erklärt Kawiri das Vorgehen der IS-Kämpfer. "Wir wollen nicht, dass sich die Geschichte wiederholt", sagt Kawiris Stellvertreter Sardar Kamal. Die Dschihadisten haben in den von ihnen eroberten Gebieten zahlreiche Menschen getötet und misshandelt, weil sie einem anderen Glauben oder einer anderen Ethnie angehören. Als die IS-Kämpfer nach dem Zusammenbruch der irakischen Armee auch die Peschmerga immer weiter zurückdrängten, drohte die Führung der Dschihadisten , den von ihr ausgerufenen Gottesstaat auf das gesamte Kurdengebiet auszuweiten. Die irakischen Kurden hatten nach dem Sturz Saddams im Jahr 2003 für ihre traditionellen Siedlungsgebiete weitreichende Selbstverwaltungsrechte zugesprochen bekommen. Nirgendwo entwickelte sich der Irak seitdem besser als in der autonomen Kurdenregion. Dann kamen die Dschihadisten , und die Peschmerga griffen wieder zu den Waffen. "Wir führen einen Selbstverteidigungskrieg - und wir glauben an unsere Sache", sagte Kawiri.