Schicksalwochen einer Kanzlerin

Berlin. Angela Merkel lässt sich ungern an der Nase herumführen. Weder von Griechenland bei den Milliardenhilfen noch von der Opposition bei Bundestagsberatungen - und genauso wenig von ihrer Koalition beim Betreuungsgeld. Wie so oft kommt aber alles auf einmal. Und so sieht es wieder nach Schicksalwochen für Schwarz-Gelb und die Kanzlerin aus

Berlin. Angela Merkel lässt sich ungern an der Nase herumführen. Weder von Griechenland bei den Milliardenhilfen noch von der Opposition bei Bundestagsberatungen - und genauso wenig von ihrer Koalition beim Betreuungsgeld. Wie so oft kommt aber alles auf einmal. Und so sieht es wieder nach Schicksalwochen für Schwarz-Gelb und die Kanzlerin aus. Ihren Abflug zum G20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer im mexikanischen Los Cabos verschob Merkel gestern um ein paar Stunden gen Mitternacht. Für den Biorhythmus sei es besser, nachts zu fliegen - und zu schlafen, begründete das Regierungssprecher Steffen Seibert. Krisen-Telefonate noch am Abend nach der Griechenland-Wahl seien nicht geplant, versicherte er.Richtig beruhigend wirkte das nicht, weil es nichts über die Krise in Griechenland aussagt, sondern nur über den Zeitpunkt, wann Merkel mit anderen Staats- und Regierungschefs darüber sprechen könnte. Heute und morgen trifft sie viele von ihnen ohnehin an der Pazifik-Küste. In Berlin war die Sorge groß, dass in Athen die Reformgegner an Macht gewinnen und wie angekündigt Absprachen mit der EU und dem IWF brechen könnten.

In ihrer CDU gibt es Rufe nach der Vorbereitung auf den Ausstieg Athens aus dem Euro. Merkel weiß, dass sie ein drittes Hilfspaket für Griechenland wohl nicht durchsetzen könnte. So sagte sie beim Parteitag der Hessen-CDU in Darmstadt sowohl an die Adresse Athens als auch an die eigene Partei: "Es kann nicht sein, und das ist jetzt auch die Aufgabe im Zusammenhang mit der griechischen Wahl, dass zum Schluss herauskommt, wer sich an die Abmachungen nicht hält, der kann jeden anderen sozusagen am Nasenring durch die Manege führen." dpa