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Schicksalsschlag für von der Leyen bei Truppenbesuch

Schicksalsschlag für von der Leyen bei Truppenbesuch

Eigentlich wollte Ursula von der Leyen mit den Soldaten in Afghanistan Weihnachten feiern. Dann erreicht sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters. Es ist für sie der zweite Schicksalsschlag in kurzer Zeit.

Sieben Minuten lang nimmt sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU ) zusammen. Sie redet zu den Soldaten im Bundeswehrcamp von Masar-i-Scharif , als wenn nichts gewesen wäre. Sie bedankt sich für den gefährlichen Einsatz der Truppe in Afghanistan und stimmt sie auf die anstehende Ausbildungsmission nach 13 Jahren Kampfeinsatz ein. "Deutschland blickt auf Sie mit Stolz und mit Respekt", sagt sie zu den Soldaten auf dem improvisierten Weihnachtsmarkt im Camp. Erst dann setzt sie an, über den Schicksalsschlag zu sprechen, den sie gerade erlitten hat. "Ich muss Ihnen jetzt etwas sagen, was mir schwerfällt." Sie erinnert noch einmal an ihren Vorweihnachtsabend mit den Soldaten 2013, als sie sich bei Eiseskälte zwei Stunden Zeit für Erinnerungsfotos nahm. Dann sagt sie: "Ich habe vor einer Stunde erfahren, dass mein Vater gestorben ist, und ich möchte deshalb um Verständnis bitten, dass ich heute Abend diese Fotos mit Ihnen nicht machen kann."

Ihr Vater, Ernst Albrecht , Niedersachsens Ex-Ministerpräsident, litt seit 2003 an Alzheimer. Der Landes-CDU stand er von 1976 an 14 Jahre lang vor. Bevor Albrecht zur Politik kam, war der Sohn einer Heidelberger Arztfamilie nach dem Diplom als Volkswirt bei der EU in Brüssel als Generaldirektor beschäftigt. 1971 wechselte er in die Chefetage des hannoverschen Bahlsen-Konzerns. Anfang 1976, mitten in der Wahlperiode, wurde er überraschend mit Hilfe von Überläufern aus dem SPD-Regierungslager zum ersten CDU-Ministerpräsidenten in Niedersachsen gewählt. Ende der 70er Jahre konkurrierte er zeitweise mit Franz-Josef Strauß um die Unions-Kanzlerkandidatur für 1980. Am 13. Mai 1990, kurz vor seinem 60. Geburtstag, erlitt Albrecht seine erste Niederlage bei einer Landtagswahl. Am Ende musste er seinen Ministerpräsidenten-Sessel räumen, für SPD-Mann Gerhard Schröder .

Zuletzt war seine Welt draußen auf dem Landsitz in Beinhorn bei Hannover sehr klein geworden. Von Tag zu Tag ein Stückchen mehr. Betreuung rund um die Uhr war notwendig, berichtete seine Tochter einst. Sie zog deswegen 2007 mit ihrer Familie zurück in ihr Elternhaus. Von der Leyen ging offen mit der Krankheit ihres Vaters um. "Die Scham und das anfängliche Bemühen, alles zu kaschieren, hat es nur noch schlimmer gemacht", sagte sie 2013. Albrecht wurde 84 Jahre alt.

Es ist der zweite Schicksalsschlag für von der Leyen innerhalb kurzer Zeit. Vor zwei Wochen war ihre Schwiegermutter gestorben. Wegen der Beerdigung sagte sie ihre Rede in der ersten Bundestagsdebatte über die neue Ausbildungsmission in Afghanistan ab dem 1. Januar ab. Jetzt erhielt sie ausgerechnet dort die Nachricht vom Tod ihres Vaters. Ernst Albrecht habe ein sehr erfülltes Leben gehabt und sei schnell und friedlich gestorben. "Insofern bin ich heute eher von Dankbarkeit als von Trauer erfüllt", sagt sie den Soldaten im Camp - gefasst.

Von der Leyen muss ihnen auch Mut machen für das, was noch kommt: Die 2015 beginnende Nato-Ausbildungsmission afghanischer Streitkräfte. "Wichtig ist mir, dass wir das Land in einer Situation verlassen, in der es eine Stärke erreicht hat, damit es sich auch behaupten kann", sagt die CDU-Politikerin - und deutet damit an, was nicht nur in Berlin schon lange skeptisch hinterfragt wird: Das deutsche Kontingent (850 Soldaten) beim internationalen Einsatz kann 2016 wohl nur schwer - wie offiziell geplant - reduziert werden. Auch eine Verlängerung über die zwei Jahre hinaus deutet von der Leyen an.