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Sarkozy will Industrie in Europa verstaatlichen

Sarkozy will Industrie in Europa verstaatlichen

Straßburg/Berlin. EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy hat angesichts der Finanzkrise eine teilweise Verstaatlichung von europäischen Schlüsselindustrien wie etwa den Autokonzernen vorgeschlagen

Straßburg/Berlin. EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy hat angesichts der Finanzkrise eine teilweise Verstaatlichung von europäischen Schlüsselindustrien wie etwa den Autokonzernen vorgeschlagen. Die EU-Mitgliedsländer könnten staatliche Investitionsfonds gründen, die Aktien von Unternehmen kauften, deren Kurse in den Keller gesunken seien, sagte der französische Staatspräsident gestern vor dem Europaparlament in Straßburg. Verhindert werden müsse, dass Drittländer Unternehmen aufkauften. Sarkozy betonte: "Ich möchte nicht, dass die europäischen Bürger in einigen Monaten aufwachen und entdecken, dass die europäischen Gesellschaften nicht-europäischen Hauptstädten gehören." Später könnten die Fonds ihre Anteile mit Gewinn wieder verkaufen. Angesichts der Hilfe der USA von 25 Milliarden Dollar für drei Autohersteller könnten auch die EU-Länder ihre Autoindustrie stützen, um schwere Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, sagte Sarkozy. Der Vorstoß Sarkozys stieß in Berlin auf heftige Kritik. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos nannte die Forderungen grundsätzlich unvereinbar mit der deutschen Wirtschaftspolitik. Der außenpolitische Sprecher der CDU, Eckart von Klaeden, bezeichnete Sarkozys Vorstellungen als maßlos. Sarkozy verkenne, dass der Wohlstand in Deutschland und vielen europäischen Ländern "im Wesentlichen von der Bereitschaft ausländischer Unternehmen abhängt, bei uns zu investieren". Dagegen begrüßte der Partei- und Fraktionschef der Linken, Oskar Lafontaine, den Vorstoß aus Frankreich.Sarkozy kündigte vor den Europa-Abgeordneten auch ein Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs zur Vorbereitung des anstehenden Weltfinanzgipfels an. An diesem sollten auch Indien und China teilnehmen. Sarkozy erneuerte zudem seinen Vorschlag einer klar identifizierbaren Wirtschaftsregierung für die Euro-Zone. Wenn die Krisen derartige Ausmaße annähmen, reichten Treffen der Finanzminister nicht mehr aus. Der EU-Ratsvorsitzende will zugleich an den Zielen des ehrgeizigen Klimaschutzpakets der EU festhalten. Es wäre "dramatisch und verantwortungslos", unter dem Vorwand der Finanzkrise die Klimaziele aufzugeben. > Siehe auch Seite A 4: Analyse dpa