Samsung in Flammen

Wie ein Flächenbrand breitet sich die Krise bei Samsung aus. Der Handyhersteller zieht sein vielfach als Super-Smartphone gepriesenes Vorzeigemodell Galaxy Note 7 wegen Brandgefahr vom Markt zurück. Der südkoreanische Konzern beendet damit zumindest vorerst den Versuch, das Problem durch Updates oder Rückrufe in den Griff zu bekommen. Die Kunden sollten sich wegen einer Rückerstattung des Kaufpreises oder eines Umtauschs in ein anderes Telefon an die Händler wenden, teilte Samsung mit.

Schon wenige Tage nach dem Verkaufsstart im August tauchten auf Sozialmedien erste Bilder und Videos von verkohlten Handys auf. In den USA ist ein Haus abgebrannt, Flugzeuge mussten wegen schwelender Handys von ihrer Route abweichen. Doch auch die Ersatzgeräte, die Samsung danach ausgegeben hat, sind nicht sicher: Samsung warnt nun vor ihrem Gebrauch. Immer noch ist dabei unklar, was genau die Ursache dafür ist, dass die Akkus des neuen Modells zuweilen Feuer fangen oder gar explodieren.

Die Katastrophe dürfte damit für Samsung noch deutlich teurer ausfallen als bisher befürchtet. "Es entwickelt sich das schlimmstmögliche Szenario", schreiben Analysten des Investmenthauses Nomura. Die drei Millionen Note-7-Smartphones, die das Unternehmen im dritten Quartal verkauft habe, müssen entsorgt werden. Dazu kommen die entgangenen Einnahmen über den kompletten Verkaufs-Zyklus des Note 7, dessen Entwicklung und Produktionsplanung besonders teuer war.

Damit gehen die Auswirkungen auf den Gewinn weit über die Vorsorge in Höhe von einer Billion Won (800 Millionen Euro) hinaus, die das Unternehmen veranschlagt hat. Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse rechnen mit einem Schaden von bis zu 17 Milliarden Euro, wenn Samsung das Note 7 komplett vom Markt nimmt. Dazu kommen die Kratzer am Image, die langfristig ebenfalls Umsatz und Gewinn kosten. Es könne sein, dass das Unternehmen nun sogar die ganze Serie "Galaxy-Note" aufgebe, nicht nur die Nummer sieben, sagen Analysten.

Der Schaden des Einen nutzt in diesem Fall dem Anderen - konkret den chinesischen Handy-Herstellern. Vor allem Huawei rechnet damit, neue Kunden gewinnen zu können. Im Segment der edleren Android-Smartphones hat sich Huawei bereits als schärfster Angreifer des Marktführers Samsung positioniert.

Im Internet verbreitete sich gar das Gerücht, der chinesische Konkurrent habe die Herstellung der Batterien sabotiert. Huawei sah sich zu einer Stellungnahme genötigt: "Wir greifen nicht auf illegale Geschäftspraktiken zurück", teilte das Unternehmen mit. "Wir drehen nicht das Messer in einer Wunde herum." Beobachter sprechen nicht von Sabotage der Chinesen, sondern von Fehlern Samsungs: "Das Unternehmen war auf eine Krise wie diese schlecht vorbereitet", sagt Jiang Bojing, Technikexperte bei iDo News. Das Unternehmen habe lange Zeit versucht, sich herauszureden - und mit dem Versuch, es durch Rückrufe auf der Welt zu schaffen, kostbare Zeit verloren. Hier habe es an Transparenz gemangelt.

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