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Saarland will Schutz vor Amokläufern verbessern

Saarland will Schutz vor Amokläufern verbessern

Saarbrücken. Die Landesregierung will nach dem Amoklauf von Winnenden einen "Runden Tisch" einberufen, um solchen Bluttaten besser vorzubeugen. Wie Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, Foto: bub) mitteilte, sollen die Kreise als Träger der Jugendhilfe sowie der Datenschutzbeauftragte und die Polizei daran teilnehmen

Saarbrücken. Die Landesregierung will nach dem Amoklauf von Winnenden einen "Runden Tisch" einberufen, um solchen Bluttaten besser vorzubeugen. Wie Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, Foto: bub) mitteilte, sollen die Kreise als Träger der Jugendhilfe sowie der Datenschutzbeauftragte und die Polizei daran teilnehmen. Die Runde werde prüfen, wie der Informationsaustausch zwischen Schulen und Behörden verbessert werden kann. Etwa dann, so Kramp-Karrenbauer, wenn ein Schüler wegen einer Depression in Behandlung sei, die Lehrer davon aber nichts wüssten. Zudem will die Ministerin nach Ostern mit dem Landkreistag über eine Ausweitung des Einsatzes von Schulsozialarbeitern beraten.

Derweil steigt bundesweit die Zahl der Amok-Drohungen. In Baden-Württemberg wurden bislang 52 so genannte Trittbrettfahrer registriert, in Nordrhein-Westfalen mehr als 70, in Sachsen waren es neun. Baden-Würrtembergs Regierungschef Günther Oettinger führte dies auf die umfangreiche Berichterstattung über Winnenden zurück. "Bei manchen Gestörten" wirke diese als Anreiz zu Nachahmungstaten.

Im Saarland beschäftigen bislang sieben Fälle möglicher Trittbrettfahrer die Polizei. So informierte nach Angaben von Polizeisprecher Horst-Peter Schäfer eine besorgte Mutter die Beamten, weil ihr Sohn über Softair-Waffen und entsprechende Computerspiele verfüge. Ein weiterer Jugendlicher soll einem Kameraden erzählt haben, er wolle mehrere Lehrer töten. In Neunkirchen ging ein anonymer Drohbrief ein. In solchen Fällen wird wegen Störung des öffentlichen Friedens ermittelt. Erwachsenen droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. nof/mju/dpa

Hintergrund

Die maßgeblichen Ursachen von Jugendgewalt sind Übergriffe in Familien und soziale Ausgrenzung. Das ergab die Auswertung von Europas größter Studie zu Jugend und Gewalt, die gestern vorgestellt wurde. Demnach wurden 4,8 Prozent der Jugendlichen in Deutschland Opfer von Gewalt. Die Zahl derer, die schwere Körperverletzungen verübten, liegt bei 2,9 Prozent. , Interview ddp