Ruhe in Ägyptens Urlaubs-ParadiesenVon Neuwahlen kein Wort

Washington. Die Antwort kam postwendend. Gerade hatte der ägyptische Präsident Husni Mubarak seinem aufgebrachten Volk Reformen versprochen, da trat auch schon US-Präsident Barack Obama (Foto: dpa) mit einer unverblümten Replik vor die Kameras der Welt

Washington. Die Antwort kam postwendend. Gerade hatte der ägyptische Präsident Husni Mubarak seinem aufgebrachten Volk Reformen versprochen, da trat auch schon US-Präsident Barack Obama (Foto: dpa) mit einer unverblümten Replik vor die Kameras der Welt. "Ich habe ihm gesagt, dass er die Verantwortung hat, seinen Worten eine Bedeutung zu geben", sagte Obama am Freitagabend im Weißen Haus. Kurz zuvor hatte er erstmals seit Beginn der Krise mit Mubarak gesprochen. Das halbstündige Telefonat war sicher kein freundschaftliches Geplauder.

Doch die deutliche Reaktion, wie sie die Welt von den Amerikanern erwartet, war der spontane Auftritt des US-Präsidenten auch noch nicht. Auch nach tagelangen Unruhen in Ägypten windet sich die US-Regierung weiter, klar Stellung zu beziehen, wie es mit ihrem engsten Verbündeten in der arabischen Welt weitergehen soll. Die USA würden das ägyptische Volk in seinem Bestreben nach einer "fairen und gerechten und zugänglichen" Regierung unterstützen, versprach Obama zwar. Über Neuwahlen aber verlor er kein Wort.

Der Schlingerkurs ihrer Regierung scheint bei den Amerikanern zunehmend auf Unbehagen zu stoßen. Nachrichtensender wie CNN zeigen ihnen fast nichts anderes mehr als Bilder von Menschen, die für ihre Rechte auf die Straße gehen. Und Washington laviert unsicher herum. "Die USA müssen sofort mit Mubarak brechen", urteilte am Samstag denn auch glasklar die "Washington Post". Die US-Regierung habe während der Ereignisse in Tunesien bereits eine Möglichkeit vertan, ihrer Rhetorik gerecht zu werden, meint Mohamad Bazzi vom Forschungsinstitut Council on Foreign Relations. Sie fordere immer politische, wirtschaftliche und soziale Reformen, aber habe den Sturz des tunesischen Regimes erst begrüßt, nachdem er vollzogen gewesen sei. "Mit Ägypten hat Obama eine weitere Chance, die Wahrnehmung Amerikas in der arabischen Welt nachhaltig zu verändern." Als sympathisches Land, das ins Volk investiert, nicht in Diktatoren.

Doch das ist leicht gesagt. Mubarak ist ein entscheidender Partner der USA, dient als Bollwerk gegen islamistische Interessen in der Region, als Verbündeter für die Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern. Die Sorge ist, dass die ägyptische Regierung abgelöst wird von Politikern, die der USA weniger freundlich - oder gar feindlich - gestimmt sind. Das sei "eines der irritierendsten außenpolitischen Dilemmas", mit der sich eine US-Regierung jemals konfrontiert gesehen habe, meint die "New York Times". dpa

Berlin/Kairo. Urlaub machen im Chaosland Ägypten - geht das noch? Ja, meint der Deutsche Reiseverband. In den Urlaubsparadiesen am Roten Meer - in Scharm el Scheich, Hurghada oder Marsa Alam - habe es bisher keine Demonstrationen oder Auseinandersetzungen gegeben. Laut Auswärtigem Amt verläuft der Flugverkehr von dort derzeit normal. Dichtes Gedränge herrscht dagegen auf dem Airport von Kairo.

Der Deutsche Reiseverband verspricht: Sollte es noch schlimmer kommen in Ägypten, könne man die deutschen Kunden von Reiseveranstaltern schnell heimfliegen. "Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Flugzeuge", versichert Sprecher Torsten Schäfer. Schlimmstenfalls werde alles in Bewegung gesetzt. Das Auswärtige Amt verschärfte gestern die Sicherheitshinweise noch einmal: Jeder Reisende solle sorgfältig prüfen, "ob er seine Reise nach Ägypten unter den gegenwärtigen Umständen antreten will". Die großen Veranstalter bieten kostenlose Umbuchungen an.

Deutlich schwieriger als für Kunden von Reiseveranstaltern ist es derzeit für Individualreisende: Zwei Flüge vom Frankfurter Flughafen in die von Unruhen erschütterte Hauptstadt Kairo wurden gestern gestrichen. Betroffen war jeweils ein Flug von Lufthansa und Egypt Air - auch die Rückflüge aus Ägypten fielen damit aus. Ein Lufthansa-Flug von Kairo nach München wurde für den Abend erwartet. Auf dem Flughafen in Kairo berichtete ein Augenzeuge von einem "fürchterlichen Gedränge" auf dem Airport. Es warteten vor allem viele US-Bürger, Türken und Italiener auf ihren Abflug; sie waren vor Chaos und Plünderern auf den Airport geflüchtet. Ein Mitarbeiter der Flughafenverwaltung sagte im ägyptischen Fernsehen, der Airport versuche, einen normalen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Eine genauen Überblick über die Zahl der auf dem Flughafen wartenden Deutschen hatte gestern niemand. Viele Deutsche machten sich aus Außenbezirken Kairos auf den Weg in Richtung des Stadtteils Zamalek, der als Insel im Nil liegt und deswegen von der ägyptischen Armee besser geschützt werden könnte. Dort liegen auch zahlreiche Botschaften und ausländische Stiftungen. Vor Beginn der Proteste lebten etwa 5000 bis 7000 deutsche Staatsbürger im Großraum Kairo. Aktuell sind laut Reiseverband mehrere tausend Kunden deutscher Veranstalter in dem Land. Allein rund 3100 Touristen des Reiseveranstalters Rewe Touristik (ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg) befinden sich in den Ferienorten Hurghada, Sharm-el-Sheikh, Marsa Alam und Luxor. Die Gäste seien gelassen, die Lage sei ruhig, sagte ein Sprecher der Rewe Touristik.

Die großen Reiseveranstalter Tui und Thomas Cook bieten wegen der Unruhen gebührenfreie Umbuchungen für Ägypten-Urlauber an: Bei Tui dürfen alle Ägypten-Urlauber mit Anreise bis zum 3. Februar umbuchen, bei Thomas Cook bis zum 2. Februar. Tui-Reisende nach Kairo können zudem kostenlos stornieren. Ausflüge in die Hauptstadt wurden bis Donnerstag abgesagt.

Der Reiseverband empfiehlt Touristen, die für die kommenden Tage gebucht haben, sich auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes über die Lage in Ägypten zu informieren und mit ihrem Reiseveranstalter in Kontakt zu bleiben. Auf die Frage, wie schnell deutsche Urlauber notfalls zurückgeholt werden könnten, sagte Schäfer: "Wir haben es ja in Tunesien gesehen, wie schnell wir da sofort reagiert haben." Innerhalb von zwei Tagen habe man seinerzeit mit mehr als 30 Sonderflügen alle Kunden ausgeflogen.

Hintergrund

Plündernde Banden sind am Wochenende in Ägypten vielerorts durch die Straßen gezogen, unter ihnen Häftlinge. Allein tausende Häftlinge entkamen bei einer Revolte aus dem Gefängnis Wadi Natrun hundert Kilometer nördlich von Kairo. Die Armee schützte gestern nach wie vor nur öffentliche Gebäude. Auch vor dem ägyptischen Museum in Kairo, wo wertvolle Kunstschätze geplündert worden waren, standen Panzer. Angesichts der Plünderungen bildeten die Bürger in vielen Vierteln der Hauptstadt bewaffnete Wehren. afp