Ruf nach Impfpflicht gegen Masern wird lauter

Diskussion auch im Saarland : Ruf nach Impfpflicht gegen Masern wird lauter

In der Bundesregierung wächst die Bereitschaft für eine Impfpflicht für Kinder. Saar-Ärzte sehen eher Ältere als Problem.

(dpa/SZ) Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich nach Schulschließungen wegen Masern in Bad Segeberg für eine bundesweite Impfpflicht ausgesprochen. „Die Gesundheit und der Schutz der gesamten Bevölkerung setzen der individuellen Freiheit Grenzen“, erklärte die SPD-Politikerin. „Der Staat muss dann handeln, wenn das Risiko, in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen Mitmenschen zu gefährden, anders nicht in den Griff zu bekommen ist.“ Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich für eine Masern-Impfpflicht in Kindergärten und Schulen ausgesprochen. Zudem solle „idealerweise auch medizinisches Personal“ gegen Masern geimpft sein, hatte er gesagt. Spahn hält es rechtlich auch für möglich, eine Impfpflicht in Gemeinschaftseinrichtungen umzusetzen. Aufklärungskampagnen hätten nicht so gefruchtet wie erwartet. Immer noch sei die Zahl der Masern-Neuerkrankungen zu hoch.

Im Saarland hat sich Ärztekammer-Präsident Josef Mischo dafür ausgesprochen, Kinder erst dann eine Kita oder Schule besuchen zu lassen, wenn sie gegen Masern geimpft sind. Eine generelle Impfpflicht gegen Masern sei das letzte Mittel. Im Saarland sei eher der Impfstatus der Erwachsenen ein Problem. Bei der Erstimpfung betrage die Quote der Geimpften im Saarland 97 Prozent.

Die Bevölkerungsmehrheit von 77 Prozent ist nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage klar für eine Impfpflicht, wie Bild am Sonntag berichtete. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Ablehnung von Impfungen kürzlich zu einer der zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt.

Masern sind extrem ansteckend und potenziell tödlich. Angesichts eines Masern-Ausbruchs hat vor einigen Tage der US-Landkreis Rockland County nahe New verfügt, dass nicht gegen die Krankheit geimpfte Minderjährige sich in den nächsten 30 Tagen nicht an öffentlichen Orten aufhalten dürfen.

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