Röttgen auf dem Weg zu Merkels Kronprinz

Röttgen auf dem Weg zu Merkels Kronprinz

Berlin. Angela Merkel freue sich, teilte gestern ihr Sprecher Steffen Seibert mit, "einen starken Umweltminister im Kabinett zu haben". Die Freude der Kanzlerin könnte in den nächsten Monaten getrübt werden: Mit Norbert Röttgen wächst in der Union ein politisches Kraftpaket heran, das Merkel irgendwann gefährlich werden könnte

Berlin. Angela Merkel freue sich, teilte gestern ihr Sprecher Steffen Seibert mit, "einen starken Umweltminister im Kabinett zu haben". Die Freude der Kanzlerin könnte in den nächsten Monaten getrübt werden: Mit Norbert Röttgen wächst in der Union ein politisches Kraftpaket heran, das Merkel irgendwann gefährlich werden könnte.

Der Jurist aus dem Rheinland gilt als überaus ambitioniert: Es ist noch gar nicht lange her, da hieß es, der Mann wolle Kanzler werden. Dass er das Potenzial dazu hat, wissen politische Freunde wie Gegner. Und als neuer Vorsitzender des größten Landesverbandes der CDU in Nordrhein-Westfalen ist er automatisch ein Machtfaktor in Berlin. Erst Recht wird an ihm kein Weg vorbeigehen, wenn Röttgen Mitte November auf dem Parteitag der Christdemokraten in Karlsruhe zu einem von Merkels Stellvertretern als Parteichef gewählt wird. Sollte er schließlich bei möglichen Neuwahlen in NRW die Minderheits-Regentin Hannelore Kraft von der SPD ablösen und Ministerpräsident werden, wäre Röttgen wohl die Nummer Eins unter Merkels Kronprinzen und -prinzessinnen. In der Union gilt dieses Szenario jedenfalls als ausgemacht.

Allein die künftige Kombination aus Bundes- und Landesvorsitz macht Röttgen gegenüber anderen Kandidaten weitaus stärker. Beispielsweise gegenüber Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Oder dem beliebten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der seitens der CSU hinter Merkel lauert. Intern heißt es, die Unionschefin, die sich bewusst aus dem Machtkampf in NRW herausgehalten hat, unterschätze Röttgen nicht. Sie werde auch nicht die Fehler von CSU-Chef Horst Seehofer begehen, dessen Sprunghaftigkeit das Erlöser-Image von Guttenberg kräftig befördert hat. Schließlich sei es auch Merkels Verdienst, dass die CDU inhaltlich breiter aufgestellt sei und es junge Gesichter gebe, die die neue Union verkörperten. Einer von ihnen ist Röttgen, er ist sozusagen "Muttis Erfindung".

Mit zu den Klügsten gehört er allemal. Allerdings hat sein Ansehen in Berlin in den letzten Monaten deutlich gelitten: Der Kompromiss über die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken fiel anders aus, als er es wollte. Sein Plädoyer für weitaus kürzere Laufzeiten und seine Zweifel daran, ob die Vereinbarung mit den Konzernen vor dem Verfassungsgericht Bestand haben würde, verärgerte viele Parteifreunde. Dass der jugendlich wirkende Mittvierziger mit den grauen Haaren und der kleinen Brille nicht nur Freunde in der Hauptstadt hat, liegt zudem daran, dass er bisweilen mit intellektueller Überheblichkeit auftritt. Der einflussreiche Fraktionschef Volker Kauder, einst ein Förderer von Röttgen, trägt ihm überdies nach, dass er nach der Bundestagswahl seinen Job übernehmen wollte.

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